„Weingut I“, offene Führung zur NS-Zeit im Haberkasten

Landkreis Mühldorf am Inn: Die Dauerausstellung „Alltag, Rüstung, Vernichtung – Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus“ im Haberkasten bietet mit zahlreichen Objekten, Dokumenten, Fotos und Zeitzeugenberichten einen Einblick in eine Zeit, die bis heute nachwirkt: Ab Mitte 1944 wurde im Mühldorfer Hart unter dem Decknamen „Weingut I“ eine riesige, teilweise unterirdische Bunkeranlage für die Rüstungsproduktion errichtet. In der geplanten Anlage sollte die Fertigung des Düsenjägers Messerschmitt Me 262 aufgenommen werden. Der Bunker wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch nicht fertiggestellt; eine Produktion fand dort nicht mehr statt.

Für den Bau dieses Rüstungsprojekts richteten die Nationalsozialisten mehrere Außenlager des KZ Dachau im Landkreis Mühldorf a. Inn ein. Zwischen Sommer 1944 und Frühjahr 1945 wurden mehr als 8.000, überwiegend jüdische KZ-Häftlinge aus verschiedenen europäischen Ländern in die Region verschleppt und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Mühldorfer Außenlagerkomplex entwickelte sich damit zu einem der größten Außenlagerkomplexe des KZ Dachau.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge waren katastrophal. Die Unterkünfte boten nur unzureichenden Schutz, es herrschten Hunger, Krankheiten und mangelhafte hygienische Bedingungen. Nach Angaben der Ausstellungsbegleitpublikation starben etwa 4.000 der rund 8.300 Häftlinge infolge der menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Mehr als 2.200 Opfer wurden in einem Massengrab im Mühldorfer Hart verscharrt.

Die Geschichte der NS-Zeit im Landkreis beschränkt sich dabei nicht auf den Rüstungsbau und die Lager. Die Ausstellung thematisiert auch die Entwicklung der NS-Herrschaft vor dem Krieg, die Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, den Alltag der Bevölkerung sowie die Nachkriegszeit und die lange Auseinandersetzung mit den damaligen Geschehnissen. Auch die Räumung der Lager, der sogenannte Todeszug, die Befreiung der Häftlinge und die juristische Aufarbeitung werden behandelt.

Die offenen Führungen bieten die Möglichkeit, in etwa 60 Minuten einen Überblick über die Dauerausstellung zu erhalten. Die Historikerin Angelika Wallner sowie Norbert Wurstbauer und Walter Göbl gehen dabei gerne auch auf weiterführende Fragen und Themen ein.

Offene Führungen in der NS-Ausstellung im Haberkasten (Fragnergasse 3, Mühldorf a. Inn) finden im September am Donnerstag, 3. September 2026, Freitag, 11. September 2026, und Freitag, 25. September 2026, jeweils um 15 Uhr statt.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führung ist kostenlos. Es fällt lediglich der reguläre Eintrittspreis von 3 Euro bzw. der ermäßigte Eintritt von 1,50 Euro an.

Beitragsbild: Mettenheim „Weingut I“, © inn-sider.de

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