Tiefenwasser ist kein Selbstbedienungsladen mehr
Weiding hat gezeigt, was wirkt – jetzt darf Mühldorf beim Wasser nicht wegschauen
Manchmal passiert Politik nicht im Landtag, sondern auf Dorfplätzen, bei Demos und durch beharrliche Aufklärung. Weiding ist so ein Fall.
Die geplante Tiefenwasserausbeutung durch InnFood ist bis heute nicht genehmigt. Nicht, weil ein Minister entschieden hätte. Sondern weil genauer hingeschaut wurde. Weil Bürgerinnen und Bürger unbequem waren. Und weil ein entscheidendes Gutachten fehlt, das in Zeiten von Klimawandel und sinkenden Grundwasserständen offenbar niemand seriös liefern kann.
Die Botschaft ist klar: Tiefenwasser ist kein Selbstbedienungsladen mehr.
Kein Gutachten, kein Verfahren – Punkt. Dass das Verfahren bis heute nicht eröffnet wurde, ist kein bürokratischer Zufall. Ohne hydrogeologischen Nachweis, dass mehr Wasser nachkommt als entnommen werden soll, darf es rechtlich gar nicht starten.
Die Einschätzung von Lena Koch, Kreis- und Gemeinderätin aus Polling , bringt es auf den Punkt: In der aktuellen Lage wird sich kein Gutachter finden, der diese Rechnung glaubhaft „schönrechnet“. Und genau das ist eine gute Nachricht – für alle, die Trinkwasser nicht als Geschäftsmodell betrachten.
Weiding zeigt: Öffentlicher Druck wirkt. Information wirkt. Transparenz wirkt.
Und jetzt? Nächster Halt: Unertl-Gelände in Mühldorf
Während Weiding vorerst gesichert scheint, klopft der nächste Wassernutzer schon an die Tür – auf dem ehemaligen Unertl-Gelände in Mühldorf.
Ja, es gibt Unterschiede:
- geringere Entnahmemengen
- eine noch laufende Entnahmegenehmigung
Aber der entscheidende Punkt ist ein anderer – und brandgefährlich, wenn man ihn unterschätzt:
Es geht um eine Nutzungsänderung. Und die liegt bei der Stadt.
Das heißt übersetzt: Hier entscheidet sich, ob die Lehren aus Weiding ernst genommen werden – oder ob man sie ignoriert.
Wasserpolitik ist Kommunalpolitik
Zu lange wurde so getan, als seien Wasserfragen rein technische Verwaltungsakte. Sind sie nicht. Es sind politische Entscheidungen mit Langzeitfolgen.
Bayern erlebt:
- sinkende Grundwasserstände
- weniger Schneeschmelze
- mehr Nutzungskonkurrenz
Und trotzdem wird weiterhin so geplant, als sei Wasser eine unbegrenzte Ressource. Gerade Tiefenwasser, das sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erneuert, wird dabei zur gefährlichen Illusion einer „Reserve“.
Wer jetzt wegschaut, handelt fahrlässig
Weiding war kein Einzelfall. Es war ein Warnsignal.
Und Unertl ist der nächste Test.
Noch besteht Handlungsspielraum.
Noch kann die Stadt sagen: Trinkwasser hat Vorrang.
Noch kann Politik vorsorgen statt erklären, warum es „leider zu spät“ war.
Denn am Ende ist die Frage nicht, wer Wasser fördern darf,
sondern wer in Zukunft noch genug davon hat.
Und diese Frage lässt sich nicht mit Gewinnrechnungen beantworten.
Beitragsbild: Isenmündung © inn-sider.de