Der Schlacht von Erharting 1322 authentisch entgegengeschaut

In den vergangenen Tagen konnte der 699. Jahrestag der letzten Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Gebiet bei Erharting begangen werden. Dieses historische Datum nahm der Heimatbund Töging zum Anlass für eine heimatgeschichtliche Exkursion zum Kampfgebiet vom 28. September 1322. Schon einen Tag zuvor hatten die Akteure des Brauchtumsvereins ein kleines Ritterlager aufgeschlagen um für den nächsten Tag den Besuchern eine mittelalterliche Kulisse zu bieten. Spontan entstand dabei die Idee, auf dem Kampffeld von 1322 zu übernachten um dem Morgen der bevorstehenden Schlacht im Geiste nachzuvollziehen. Zwei Ritter, ein Knappe und die Trossköchin verbrachten eine von der klammen Nebelluft geprägte Nacht in den Zelten. Pünktlich um 6 Uhr früh, geweckt vom Glockengeläut der Erhartinger Kirche begaben sie sich ins Freie und gedachten der vielen Tausend Kämpfer die an diesem Morgen des 28. September 1322 einem ungewissen Schicksal entgegenblickten. Nach einem Ritterfrühstück am Lagerfeuer trafen auch die übrigen Akteure ein um alles für die Besucher am Nachmittag vorzubereiten. Bei all der betriebsamen Geschäftigkeit wurden immer wieder Gedanken geäußert, wie etwa, jetzt sind diese oder jene gegnerischen Gruppen aufeinandergestoßen oder die heutige Wetterlage ist ganz genau dieselbe wie vor 699 Jahren, nämlich, strahlender Sonnenschein. Nach den Aufschreibungen der Chronisten war die Schlacht von Erharting am frühen Nachmittag zu Gunsten Ludwigs des Bayern entschieden und die verbliebenen Truppen zogen sich zurück. An diesem Nachmittag war es aber genau umgekehrt.

Eine Gruppe von etwa 110 Besuchern, darunter auch viele Kinder, zogen über das Schlachtfeld von 1322 zum Lager der Ritter, Fußsoldaten und des Küchentrosses. Dort begrüßte Stefan Grünfelder, der Vorsitzende des Töginger Heimatbundes die aus der Region herbeigeeilten Geschichtsinteressierten und die Akteure des Brauchtumsvereins. Nach einer kurzen Einführung über die vorangegangene Doppelwahl von Frankfurt bei der sowohl Ludwig der Bayer als auch Friedrich der Schöne zum deutschen König gewählt wurden und den daraus entstandenen Zwistigkeiten die auf dem Verhandlungswege nicht ausgeräumt werden konnten und deshalb zur Schlacht von Erharting führten, informierte „Ritter“ Leo Biermaier. Des Weiteren berichtete er, dass Ludwig nach ritterlichem Brauch die Schlacht am Vortag angesagt hatte damit sich der Gegner für den bevorstehenden Kampf rüsten konnte und was besonders wichtig war, den Gottesdienst vor der Schlacht abhalten zu können. So ist auch überliefert, dass die beiden Könige, gestärkt durch die Heilige Kommunion in die Schlacht gezogen sind.

An der Station des Küchentrosses brodelte inzwischen der Getreidebrei und in einer Pfanne sahen die Fladenbrote ihrer Vollendung entgegen. Küchenleiterin Maria Atzinger erläuterte dann auch anschaulich die Zubereitung dieser einfachen Speisen und verwies darauf, dass neben den auf beiden Seiten etwa 6000 kämpfenden Männern noch mindestens die gleiche Anzahl an Personen die zur Unterstützung des Heeres, der Feldküchen und weiterer Dienstleistungen erforderlich waren, verpflegt werden mussten. Unmengen von Lebensmitteln waren dazu erforderlich, unter anderem täglich etwa 15,5 Tonnen Brot, 2,6 Tonnen Fleisch und 128 Hektoliter Bier für annähernd 15.000 Personen herbeigeschafft werden. Für die Pferde der Ritter, die Gespannpferde und Lasttiere, insgesamt etwa 5400 Tiere, waren 63 Tonnen an Futter erforderlich. Dass es nicht einfach war diese Mengen an Verpflegung für Mensch und Tier zu beschaffen erläuterten dann zwei Bauern (Thomas Mück und Christian Hans) die gerade ihre letzten Habseligkeiten zur Küche brachten. Von zusätzlichen Kriegssteuern und Sonderabgaben, wie der Klauensteuer, die für Rinder zu erbringen war, berichteten sie ebenso wie von den zusätzlich zu leistenden Sonderarbeiten zur Vorbereitung der Kampfhandlungen. Furten über die Bäche anlegen, Brennholz herbeischaffen und stets den Launen der Grundherren ausgeliefert, das war das karge Dasein der Landbevölkerung von damals, das durch die zahlreichen Kriegshandlungen noch verschärft wurde.

Einen Einblick in die Waffenkammer bieten von links: Stefan Kafurke, Markus Hüther, Tobias Schwarz und Michael Rieder

An einer weiteren Station im Lager warteten einige Ritter in Rüstung und Kettenzeug auf die Besucher. Fußsoldat Stefan Kafurke erläuterte die breite Palette der Waffen bei der Schlacht von Erharting. In einem Schaukampf mit Ritter Markus Hüther konnte man den schützenden Gebrauch des Schildes ebenso erkennen wie die Abwehrmöglichkeiten durch den geschickten Einsatz von Schwert und Hellebarde. Ritter Michael Rieder ging in seinem Fachvortrag auf die strategische Ausrichtung der Heeresgruppen ein. Hier zeigte sich aus wie vielen Landesteilen, auch über Deutschland hinaus, die Waffenbrüder der beiden streitbaren Könige herangezogen waren um eine Entscheidung herbeizuführen, die bis heute weite Teile von Europa geprägt hat. Zum Abschluss des informativen Nachmittags bedankte sich Stefan Grünfelder bei den Nachbarn aus Erharting  für die Gestaltung des Geschichtsunterrichtes unter freiem Himmel, verbunden mit den besten Wünschen zum guten Gelingen der Gedenkveranstaltung 700 Jahre Schlacht bei Erharting, im kommenden Jahr vom 26. bis 29. Mai 2022.

Bild oben: Vor allem auch für die Kinder war ein abenteuerlicher Nachmittag bei den Rittern geboten, schnell hatten sich Valentin und Miriam mit Ritter Leo angefreundet und bestätigt, dass sie schon jetzt tapfere Ritter seien.

Bilder: Josef Padlesak

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