Letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Boden in Erharting im Jahr 1322

Am 28. September 1322, also vor 698  Jahren, fand die letzte große Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Boden in den Fluren von Erharting statt. Aber was war die Ursache dieser kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Ludwig dem Bayern aus dem Hause Wittelsbach und seinem Vettern Friedrich dem Schönen aus dem österreichischen Herrscherhaus der Habsburger?

Begeben wir uns ins Jahr 1314 zurück. Am 19. Oktober dieses Jahres erfolgte die Wahl des Königs des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Frankfurt a. Main. Obwohl Ludwig fünf von neun Stimmen der wahlberechtigten Teilnehmer erhielt, beanspruchte auch sein stimmenmäßig unterlegener Gegenkandidat ebenfalls die Königswürde. Am 25. November 1314 erfolgte die Krönung von Ludwig dem Bayern durch den Mainzer Erzbischof in der Krönungsstadt Aachen obwohl für diese Zeremonie der Kölner Erzbischof zuständig war, jedoch ließen die Aachener Bürger den Kölner Bischof nicht in ihre Stadt.  Friedrich wurde vom Kölner Erzbischof in Bonn gekrönt weil die Kölner Bürger mit ihrem Bischof verfeindet waren und ihn nicht mehr in die Stadt ließen. So ergab sich die kuriose Situation, dass Ludwig am richtigen Ort aber vom falschen Bischof und Friedrich am falschen Ort aber vom richtigen Bischof gekrönt wurde. Nun beanspruchten also zwei gekrönte Könige das Reich. Dass dies nicht gut gehen konnte zeigte sich in den Folgejahren immer wieder durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Königen, die aber kein verwertbares Ergebnis brachten.

So kam es dann am 28. September 1322 zur alles entscheidenden Schlacht um die alleinige Königswürde in den Fluren von Erharting. Umfangreiche Truppenbewegungen der Österreicher erfolgten über Passau, Simbach, dem Inn entlang nach Neuötting und Töging wo südöstlich von Erharting die Heere lagerten. Ludwig der Bayer kam aus den Niederbayerischen Gefilden um Straubing, Landshut unterstützt vom Nürnberger Burggrafen und Einheiten aus der Freisinger und Ingolstädter Gegend und lagerte im Raum südlich von Neumarkt St. Veit. Ludwig selbst hatte die Burg Dornberg von Erharting als strategischen Aufenthaltsort ausgewählt. Am Montag 27. September hatte Ludwig die Schlacht „angesagt“ und sein Gegner Friedrich nahm die Schlacht an. Der ritterliche Brauch die Schlacht anzusagen sollte dem Gegner die Möglichkeit bieten sich auf den Kampf vorzubereiten und die obligatorische Feldmesse mit Empfang der Heiligen Kommunion abhalten zu können um dann mit Gottes Hilfe in den Kampf zu ziehen.

Am Morgen des 28. September 1322 stießen dann die bayerischen und österreichischen Truppen in den Fluren von Erharting aufeinander. Auf österreichischer Seite führten 1400  behelmte Reiter, gefolgt von mehr als 5000 Mann Fußsoldaten, das Heer an. Auf bayerischer Seite standen 1800 Reiter und etwa 4000 Kämpfer zu Fuß bereit. Jedoch hatte sich der bayerische Heerführer Ludwig noch eine Reserve von 500 Rittern hoch zu Roß, für den Gegner nicht wahrnehmbar, als Reserve zurückgehalten. Über mehrere Stunden wogte der Kampf hin und her und gegen Mittag schien es, als würden die Österreicher als Sieger aus dem Kampfgeschehen hervorgehen. Bevor es aber soweit war, schickte Ludwig als taktisches Manöver die berittene Reserve ins Kampfgeschehen westlich von Erharting. Dieses unverhoffte Eingreifen der berittenen Kämpfer des Burggrafen von Nürnberg war entscheidend für den positiven Ausgang des Streits um die rechtmäßige Königswürde zu Gunsten von Ludwig dem Bayern aus dem Hause Wittelsbach.

Als der Kampf etwa um 15 Uhr nachmittags entschieden war, hatten auf bayerischer Seite etwa 1100 mutige Männer ihr Leben verloren, während die Österreicher mehr als 4500 Todesopfer zu beklagen hatten. Zudem gerieten 1400 Österreicher in bayerische Gefangenschaft. Diese große Schlacht wurde neben geschickten taktischen Manövern auf bayerischer Seite vor allem durch den Einsatz von Pferden und deren Reitern entschieden. So berichten die Chronisten von mehr als 3000 Pferden die bei diesem Gemetzel umkamen.

Zum Foto: Die Akteure der Schlachtfelderkundung, von links: Michael Rieder, Sylvia Unterhuber, Stefan Kafurke, Leo Biermaier, Thomas Mück, Maria Atzinger.  Foto:: Josef Padlesak
 

Zum Gedenken an diese markante Ritterschlacht, bei der die europäische Geschichte maßgeblich bis in die heutige Zeit geprägt wurde, veranstaltet der Brauchtumsverein Erharting am Sonntag, 27. September nachmittags um 14 Uhr eine Wanderung über das Hauptfeld der kriegerischen Auseinandersetzung vom 28. September 1322. Die Teilnehmer werden von einem Ritter hoch zu Roß empfangen und zum Ort des Geschehens geführt. In den Gefilden zwischen Isen und Schoßbach dem Zentrum des Kampfes der beiden Könige erfahren die Besucher interessante Details über die Bewaffnung, Ausrüstung und Strategie der damaligen Streitkräfte. An einer weiteren Station wird die ungeheuerlich aufwendige logistische Aufgabe der Versorgung der Truppe einschließlich der Reit- und Zugpferde durch den Küchentroß anschaulich erläutert. Die Nöte durch zusätzliche Abgaben- und Frondienstleistungen der Bauern bilden einen weiteren Schwerpunkt des insgesamt etwa 1 km langen Rundganges. Um das Geschehen auch für Kinder interessant zu gestalten wird diesmal ein Pony mit einem historisch gewandeten Knappen die Szene bereichern. Alle Akteure treten in entsprechender Kostümierung auf um das Geschehen von vor 698 möglichst originalgetreu zu vermitteln.

Treffpunkt zu dieser heimatgeschichtlichen Aktion am Sonntag, 27. September 14 Uhr ist am Parkplatz des Landgasthofes Pauli Wirt in Neuhäusl bei Erharting.

Auf Grund der momentan unsicheren Lage wegen der Corona Pandemie bitten wir, sich unter www.verein-fuer-brauchtumspflege-erharting.de oder Tel. 08631/2872 zu informieren ob die Veranstaltung wie geplant stattfinden kann.

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