Mit seinem ersten offiziellen Besuch in der Republik Moldau hat Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder ein deutliches Signal gesetzt: Der Freistaat will seine Beziehungen zu einem Land ausbauen, das angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Rahmen seiner Südosteuropa-Reise Ende Juli traf Söder gemeinsam mit Staatskanzleiminister Dr. Florian Herrmann in Chișinău Staatspräsidentin Maia Sandu. Ziel des Besuchs war es, neue politische und wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen und Moldau auf seinem europäischen Weg zu unterstützen.
„Moldau ist ein Schlüsselstaat für die europäische Ostgrenze und darf nicht unter den Einfluss anderer Länder geraten“, betonte Söder. Bayern wolle deshalb die Westbindung des Landes stärken und den EU-Beitrittsprozess begleiten.
Ein kleines Land mit großer strategischer Bedeutung
Die Republik Moldau liegt zwischen Rumänien und der Ukraine und zählt rund 2,5 Millionen Einwohner. Lange stand das Land eher am Rande der europäischen Aufmerksamkeit. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich das grundlegend geändert.
Moldau grenzt unmittelbar an die Ukraine und liegt damit an einer sicherheitspolitisch besonders sensiblen Schnittstelle Europas. Hinzu kommt der ungelöste Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien, in der bis heute russische Soldaten stationiert sind. Obwohl Moldau selbst militärisch neutral ist, sieht sich das Land immer wieder hybriden Bedrohungen wie Desinformation, Cyberangriffen und politischen Einflussversuchen ausgesetzt.
Für die Europäische Union gilt Moldau deshalb heute als wichtiger Stabilitätspartner an ihrer östlichen Außengrenze.
Maia Sandu verfolgt einen klaren Europa-Kurs
Präsidentin Maia Sandu treibt seit Jahren einen konsequenten Reformkurs voran. Im Mittelpunkt stehen der Kampf gegen Korruption, der Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen sowie die Annäherung an die Europäische Union.
2022 erhielt Moldau den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Seitdem laufen die Beitrittsverhandlungen. Gleichzeitig steht das Land vor erheblichen Herausforderungen: Die Wirtschaft zählt zu den schwächeren Europas, viele junge Menschen wandern aus, und die Energieversorgung musste nach dem Wegfall russischer Lieferungen neu organisiert werden.
Gerade deshalb setzen europäische Partner verstärkt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und institutionellen Austausch.
Neue Chancen für Bayern
Auch wenn Moldau wirtschaftlich kein großer Absatzmarkt ist, ergeben sich interessante Perspektiven für den Freistaat. Chancen bestehen insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Wissenschaft, Bildung, Energie sowie beim Ausbau kommunaler und wirtschaftlicher Kooperationen.
Für bayerische Unternehmen könnte das Land langfristig als Investitions- und Produktionsstandort an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig eröffnen sich Möglichkeiten für Universitäten und Forschungseinrichtungen, neue Partnerschaften aufzubauen.
Mehr als klassische Wirtschaftspolitik
Der Besuch in Chișinău zeigt zugleich, dass Bayerns internationale Beziehungen heute weit über reine Wirtschaftsinteressen hinausgehen. Sicherheitspolitische Stabilität, europäische Zusammenarbeit und die Unterstützung demokratischer Reformen spielen eine immer größere Rolle.
Während der Südosteuropa-Reise standen in Ungarn die Wiederbelebung bestehender Beziehungen und in Griechenland die Vertiefung der Zusammenarbeit im Mittelpunkt. In Moldau ging es dagegen vor allem darum, den Grundstein für eine langfristige Partnerschaft zu legen.
Ein Signal für Europas Zukunft
Der erstmalige Besuch eines bayerischen Ministerpräsidenten in der Republik Moldau unterstreicht den wachsenden Stellenwert des Landes für Europa. Bayern positioniert sich damit als Partner eines Staates, dessen Entwicklung in den kommenden Jahren nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem sicherheitspolitisch von großer Bedeutung sein dürfte.
Für Moldau bedeutet die engere Zusammenarbeit zusätzliche Unterstützung auf dem Weg in die Europäische Union. Für Bayern eröffnet sie die Möglichkeit, frühzeitig tragfähige Partnerschaften in einer Region aufzubauen, die zunehmend in den Fokus europäischer Politik rückt.
Beitragsbild: Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder: Reise Moldau/ Chişinău
Gespräch mit der Präsidentin der Republik Moldau, Frau Maia Sandu aufgenommen am 31.07.2026 in Chişinău. Foto/ Copyright: Joerg Koch/ Bayerische Staatskanzlei