Stopp dem Verpackungswahn

In den Hintergrund getreten sind in Zeiten der Krise die Themen Müllvermeidung und Verpackungswahn.

Und so findet sich nachwievor in vielen Briefkästen jede Woche „EINKAUF AKTUELL“ eine Werbesendung der Deutschen Post AG.
Zusammen mit einer TV-Programmübersicht (die wahrscheinlich kein Mensch braucht) werden Prospekte z. B. von REWE, Pocco, Thomas Philipps in PLASTIK verpackt. Im Jahr mache das mehr als eine Milliarde Plastikpackungen aus, so die Deutsche Umwelthilfe.

Nach Angabe von Wikipedia wird das Trägermedium in einer Auflage von rund 20 Millionen Stück (Stand: August 2010) von verschiedenen Druckereien u. a. in Prag gedruckt. Der gemeinnützige Verein Letzte Werbung e.V., Berlin, spricht von ca. 20,7 Millionen Stück, bei einem Gewicht von 2,3 Gramm pro Verpackung (Wikipedia) ergibt Woche für Woche 47.610 Kilogramm Plastikmüll. Das sind 2.476 Tonnen Plastikmüll im Jahr.

Viele Empfänger, die die Prospekte nicht wollen, so die Verbraucherzentrale in Stuttgart, trennen die Folie nicht vom Papier, sondern werfen das komplett in die Tonne.

Unter Nachhaltigkeit finden wir auf der Website bei REWE, Deutschlands zweitgrößte Lebensmitteleinzelhändler, auch eine Seite „Umweltfreundlichere Verpackungen“ und können hier lesen: „Allein in Deutschland ist die Menge an Verpackungsmüll auf ein Rekordhoch von 18,7 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen. Ein Großteil dieser Müllmenge wird unter Anbetracht der Nutzungsdauer von weniger als 24 Stunden quasi nur zum Wegwerfen produziert.“ Und weiter: „REWE verfolgt das Ziel Eigenmarkenverpackungen umweltfreundlicher zu gestalten. … Unter dem Begriff „umweltfreundlichere Verpackungen“ versteht REWE das Vermeiden, Verringern oder Verbessern von Verpackungen.“

Problem erkannt, möchte man beim Lesen dieser Zeilen meinen. Dass bei vielen Lebensmitteln nicht auf Plastikverpackung verzichtet werden kann leuchtet ein, aber warum lässt REWE seine Prospekte jede Woche in Plastik verpacken? Nochmals das REWE-Zitat: „versteht REWE das Vermeiden, Verringern oder Verbessern von Verpackungen“. Hier wäre VERMEIDEN das naheliegendste.

Die Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung berichtet am 19.11.2019: „Immer wieder landen Prospekte und Wurfsendungen im Briefkasten, die von einer Plastikfolie umhüllt sind. Und sorgen bei vielen Empfängern für Unmut. Schon 2014 gab es deshalb eine Online-Petition gegen „Einkauf Aktuell“, gestartet von einem jungen Mann aus Niederbayern.“ Weiter berichtet die StZ: Gegen die Deutsche Post laufen derzeit nun Unterlassungsklagen, unterstützt von der Bürgerinitiative „Letzte Werbung“. Im vergangenen Sommer hatte die Initiative dem Unternehmen eine Liste mit 72.000 Abmeldungen von „Einkauf Aktuell“ übergeben. Doch die Aktion war ohne Ergebnis geblieben. Im Massengeschäft sei es schlicht nicht möglich, einzelne Empfänger über Namenslisten auszunehmen, heißt es dazu von der Deutschen Post. Briefkasten-Aufkleber wie „Bitte keine Werbung“ seien ausreichend. Doch die Erfahrung vieler Menschen sei anders, argumentiert die Initiative. Mit der Klage soll nun geklärt werden, ob Postboten die Werbepost in den Briefkasten stecken dürfen, auch wenn die Bewohner dem Erhalt schriftlich widersprochen haben, so die Sprecherin. Zugleich habe man vor wenigen Tagen eine Petition gestartet, die sich direkt an den Bundestag richtet. Diese Petition fordert, dass man Werbepost nur dann noch bekomme, wenn man dies ausdrücklich möchte.

Zurück zum Verpackungswahnsinn: Allein in unserer Region bei 100.000 Haushalten würden wir ohne EINKAUF AKTUELL knapp 12.000 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr einsparen und das ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen.

Was tun, Werbeverweigerer werden? Einen Aufkleber „Kein EINKAUF AKTUELL“ für den Briefkasten basteln? Hoffen kann man, dass die Initiativen gegen EINKAUF AKTUELL Erfolg haben, da ein freiwilliges Einsehen bei der Deutschen Post offensichtlich nicht zu erwarten ist. Schneller könnte das natürlich funktionieren, wenn sich große Werbekunden zurückziehen, dann wäre schnell Schluss mit EINKAUF AKTUELL.

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