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Michael Hetzl bereit für sechs weitere Jahre

Mit 50,7 Prozent der Stimmen gewann Michael Hetzl, Kandidat der Unabhängigen Mühldorfer, die Bürgermeisterwahl 2020 in Mühldorf a. Inn in der Stichwahl. Damit erreichte er die absolute Mehrheit. Die damalige Amtsinhaberin, Marianne Zollner (SPD), folgte mit 49,3 Prozent auf Platz zwei. 61,2 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Die erste Amtszeit von Bürgermeister Michael Hetzl ist nicht problemlos verlaufen. Immer wieder wurde der Bürgermeister scharf kritisiert. Für Streit sorgte unter anderem der Rufbus, das SüMö-Gelände und zuletzt die Finanzhilfe für die Stadtwerke. Dennoch geht Hetzl optimistisch in die Wahlen am 8. März. In unserem Interview beantwortete er die drängendsten Fragen.

inn-sider: Was ist Ihre persönliche Vision für Mühldorf im Jahr 2032 – also am Ende Ihrer potenziellen zweiten Amtszeit?

Michael Hetzl: Meine Vision für Mühldorf 2032 ist eine Stadt, die weiter gewachsen ist, ohne ihren Charakter zu verlieren. Eine Stadt mit soliden Finanzen, moderner Infrastruktur und hoher Lebensqualität für alle Generationen. Ich möchte, dass Mühldorf als Wohn-, Arbeits- und Bildungsstandort attraktiv ist, dass zentrale Projekte wie Hallenbad, SüMö-Areal und Bahnhofsumfeld umgesetzt sind und dass wir weiterhin verlässlich investieren können, ohne neue Schulden zu machen.

inn-sider: Mühldorf wächst und der Druck auf den Wohnungsmarkt ist hoch. Welche konkreten Instrumente wollen Sie nutzen, um ausreichend Wohnraum zu schaffen?

Michael Hetzl: Wir setzen auf eine aktive Boden- und Stadtentwicklungspolitik. Dazu gehören Nachverdichtung, die Entwicklung städtischer Flächen, die Zusammenarbeit mit der Stadtbau, klare städtebauliche Vorgaben für private Investoren sowie die Nutzung unserer Vorkaufsrechte. Wichtig ist mir dabei eine Mischung aus bezahlbarem Wohnraum, Eigentum und Mietwohnungen. Wachstum muss gesteuert erfolgen – nicht ungeplant.

inn-sider: Die wachsende Bevölkerung ist auch für die Kindergärten und Schulen eine Herausforderung. Welche Maßnahmen muss die Stadt ergreifen, um damit umzugehen?

Michael Hetzl: Wir haben frühzeitig investiert und sind heute regional führend bei der Kinderbetreuung. Das muss so bleiben. Der weitere Ausbau von Krippen- und Kindergartenplätzen sowie Investitionen in Schulen sind zwingend notwendig. Mit der Fertigstellung der Mittelschule und dem nächsten Projekt Grundschule Altmühldorf haben wir genau diesen Weg eingeschlagen.

inn-sider: Der historische Stadtplatz ist das Herz der Stadt. Wie sieht Ihr Konzept aus, um den Einzelhandel zu stärken und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen?

Michael Hetzl: Der Stadtplatz muss lebendig bleiben. Das gelingt durch eine gute Erreichbarkeit, kurze Wege, Veranstaltungen und Aufenthaltsqualität. Weniger Parksuchverkehr, bessere Parklösungen am Rand, attraktive Gestaltung und ein vielfältiges Veranstaltungsangebot stärken Handel und Gastronomie gleichermaßen. Innenstadtentwicklung ist für mich immer ein Zusammenspiel aus Verkehr, Handel und Begegnung.

inn-sider: Das geplante Parkdeck am Stadtwall wird kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie zu diesem Projekt und wie wollen Sie das Parkleitsystem digitalisieren?

Michael Hetzl: Ich halte ein Parkdeck grundsätzlich für sinnvoll, weil es den Stadtplatz entlasten kann und somit die Aufenthaltsqualität steigert. Entscheidend ist aber die Lage und die damit einhergehend verkehrliche Anbindung. Das Parkdeck am Stadtwall wurde schon einmal beantragt und aufgrund der Verkehrsgutachten wieder abgelehnt, weil es verkehrlich schlecht gelegen ist. An dieser Situation hat sich nichts geändert und daher stellt sich schon die Frage warum man der Empfehlung der Fachleute und der Regierung von Oberbayern nicht folgen möchte und alle Standorte gleichwertig untersucht. Ergänzend dazu brauchen wir ein digitales Parkleitsystem, das freie Stellplätze anzeigt und den Parksuchverkehr reduziert, das ist auch schon durch die Regierung Oberbayerns zugesagt, aber dazu müssen wir uns als erstes entscheiden, wo wir parken wollen.

inn-sider: Die Diskussion um den öffentlichen Nahverkehr hält an. Welchen Spielraum sehen Sie für einen verbesserten Stadtbus-Takt in die Außenbezirke, wie wird sich die MVV-Integration auswirken?

Michael Hetzl: Der Spielraum ist begrenzt, aber vorhanden. Der Rufbus hat gezeigt, dass flexible Angebote funktionieren. Über 7.500 Fahrgäste pro Monat sprechen eine eindeutige Sprache. Entscheidend ist, Angebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und finanzierbar zu halten. Ein dichter Takt allein löst nicht alle Probleme. Der MVV ist aktuell für uns noch kein Thema, weil unser Angebot durch den MVV selbst nicht integriert werden kann.

inn-sider: Viele junge Menschen zieht es nach der Schule weg. Wie wollen Sie Mühldorf als Kultur- und Freizeitstandort für die Generation U30 attraktiver machen?

Michael Hetzl: Mühldorf ist eine attraktive Stadt für alle Generationen – das erlebe ich täglich. Dass junge Menschen nach der Schule für Ausbildung oder Studium zunächst andere Städte kennenlernen möchten, ist völlig normal und kein strukturelles Problem Mühldorfs. Entscheidend ist: Viele kommen später bewusst zurück, gründen hier Familien und sehen Mühldorf weiterhin als ihre Heimat.

Trotzdem nehmen wir die Bedürfnisse der Generation U30 ernst. Deshalb setzen wir auf attraktive Freizeit-, Kultur- und Sportangebote, eine lebendige Innenstadt, Veranstaltungen und Treffpunkte sowie auf gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor Ort. Wer Perspektiven hat und sich wohlfühlt, bleibt – oder kommt zurück.

inn-sider: Rückblickend: Sind Sie bei der Entscheidung bezüglich der Stadtwerke ohne Einbindung des Stadtrats ausreichend beraten und unterstützt worden?

Michael Hetzl: Ja. Die Entscheidungen wurden auf Basis der damals vorliegenden Informationen, rechtlicher Bewertungen und mit Einbindung der zuständigen Gremien in den Stadtwerken getroffen. Im Nachhinein, mit vier Monate Überlegungszeit, ist man immer klüger, als wenn man Dinge im Jetzt entscheiden muss. Entscheidend ist aber, dass wir transparent aufgearbeitet haben, Verantwortung übernommen wurde und die notwendigen Konsequenzen gezogen wurden. Mein entschiedenes Handeln hat die Stadtwerke vor größeren Schäden bewahrt und sie wieder stabilisiert, genau das verstehe ich unter verantwortungsvollem Handeln.

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