Arbeitslosenquote im Juni bei 3,7 Prozent

Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Traunstein lag im Juni bei 3,4 Prozent. Der Bestand an arbeitslosen Menschen bewegte sich mit 10.076 Menschen fast auf dem Niveau des Mai, es sind aktuell 11 Menschen mehr. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen um 172 gestiegen. Gleichzeitig zeigt sich der regionale Arbeitsmarkt weiterhin stabil, wenngleich sich die Dynamik gegenüber den Vorjahren spürbar abgeschwächt hat.

„Die Halbjahresbilanz fällt trotz der wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen insgesamt positiv aus“, resümiert Michael Vontra, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein. „Der Arbeitsmarkt bietet nach wie vor Beschäftigungschancen, allerdings sehen wir zunehmend Anzeichen einer nachlassenden Dynamik. Die Zahl neu gemeldeter Stellen liegt seit Jahresbeginn unter den Vorjahreswerten und arbeitslose Menschen benötigen häufiger mehr Zeit, um wieder eine Beschäftigung aufzunehmen.“

Der Arbeitsmarkt bleibt insgesamt robust. Ein flächendeckender Beschäftigungsabbau ist weiterhin nicht zu beobachten. Gleichzeitig bewegt sich der Bestand an offenen Stellen mit 3 146 Angeboten auf einem vergleichsweisen guten Niveau. Allerdings gehen die Zugänge neuer Stellen zurück und die Verweildauer in Arbeitslosigkeit steigt. Auf jede offene Stelle kommen derzeit 3,2 Arbeitslose und damit mehr als noch vor einem Jahr. Dies zeigt, dass Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt schwieriger zusammenfinden als in den vergangenen Jahren.

„Wir sehen weiterhin Einstellungen und Beschäftigungsaufnahmen in vielen Branchen. Gleichzeitig wird die Personalsuche anspruchsvoller und Vermittlungsprozesse dauern länger. Das sind typische Merkmale eines Arbeitsmarktes, der zwar stabil bleibt, aber an Dynamik verliert“, so Vontra.

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung derzeit in den saisonabhängigen Branchen. Mit Beginn der touristischen Hochsaison steigt insbesondere die Nachfrage aus Hotellerie und Gastronomie. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftebedarf in vielen weiteren Wirtschaftsbereichen hoch.

Wie sich der Arbeitsmarkt künftig entwickelt, hängt jedoch nicht allein von der Zahl der Beschäftigten ab. Die aktuelle regionale Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung künftig nur noch um rund 0,2 Prozent wachsen dürfte. Dieses Wachstum bewegt sich faktisch auf dem Niveau einer Stagnation und markiert einen deutlichen Unterschied zu den Zuwächsen vergangener Jahre. Gleichzeitig entwickelt sich das Arbeitsvolumen insgesamt weitgehend seitwärts.

„Die Entwicklung verdient eine differenzierte Betrachtung“, erläutert Vontra. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewegt sich nicht mehr nur nach oben. Viele Teilzeitbeschäftigte arbeiten länger und die Zahl der Minijobs geht zurück. Das entspricht den Bedarfen vieler Unternehmen und stärkt die soziale Absicherung der Beschäftigten. Diese Effekte tragen dazu bei, das Arbeitskräfteangebot zu stabilisieren. Sie reichen jedoch nicht aus, um die demografisch bedingten Herausforderungen am Arbeitsmarkt dauerhaft auszugleichen.“

„Die Prognosen machen deutlich, dass wir uns auf eine neue Phase am Arbeitsmarkt einstellen müssen“, erläutert Vontra. „Angesichts der demografischen Entwicklung können wir nicht davon ausgehen, dass sich das Beschäftigungswachstum der vergangenen Jahre fortsetzt. Perspektivisch müssen wir uns darauf einstellen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne zusätzliche Anstrengungen auch rückläufig sein kann.“

Vor diesem Hintergrund wird zunehmend auch entscheidend sein, wie viele Arbeitsstunden dem Arbeitsmarkt insgesamt zur Verfügung stehen. Die Ausweitung von Arbeitszeiten, die Aktivierung zusätzlicher Arbeitskräftepotenziale und vor allem Qualifizierung und Weiterbildung gewinnen deshalb weiter an Bedeutung.

„Künftig wird weniger die Zahl der Erwerbstätigen wachsen als vielmehr die Bedeutung des Arbeitsvolumens“, betont Vontra. „Deshalb müssen wir alle verfügbaren Potenziale erschließen – durch Qualifizierung, Weiterbildung, die bessere Nutzung vorhandener Kompetenzen und die Integration zusätzlicher Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt.“

Vor diesem Hintergrund gewinnen Qualifizierung und berufliche Weiterentwicklung weiter an Bedeutung. Die Agentur für Arbeit Traunstein unterstützt Unternehmen und Beschäftigte mit Qualifizierungsberatung, finanzieller Förderung von Weiterbildung und passgenauer Vermittlung. Beim Tag der Qualifizierung in Altötting kamen beispielsweise 150 Interessierte mit Bildungsträgern ins Gespräch und informierten sich über konkrete Möglichkeiten ihrer beruflichen Weiterentwicklung.

Auch die anstehende Reform der Grundsicherung für Arbeitsuchende verfolgt das Ziel, Menschen schneller in Beschäftigung zu integrieren und gleichzeitig dort auf Qualifizierung zu setzen, wo sie die nachhaltigste Wirkung entfaltet. Vermittlung und Weiterbildung bleiben damit die zentralen Hebel für eine langfristig stabile Beschäftigungsentwicklung.

„Die Fachkräftesicherung wird künftig noch stärker über Qualifizierung gelingen müssen“, so Vontra. „Wenn wir Wachstum und Wohlstand in unserer Region sichern wollen, müssen wir Menschen befähigen, sich an veränderte Anforderungen anzupassen und ihre Potenziale bestmöglich einzubringen. Weiterbildung bleibt deshalb ein entscheidender Schlüssel für die Zukunft unseres Arbeitsmarktes.“

Landkreis Altötting

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Altötting betrug im Juni 3,7 Prozent, das sind 2 461 Menschen. Im Vormonat waren es 29 Menschen weniger, die Quote lag um 0,1 Prozentpunkte niedriger. Der Vorjahresvergleich zeigt einen Anstieg um 5,0 Prozent, d.h. 117 Menschen mehr sind derzeit von Arbeitslosigkeit betroffen; die Quote lag im Vorjahresmonat bei 3,5 Prozent.

Insgesamt teilen sich die Kunden in 1 326 bei der Agentur (SGB III) und 1 135 Kunden des Jobcenters (SGB II).

Gemeldet sind 40 Jugendliche unter 20 Jahren innerhalb der 227 unter 25 Jahren (Vormonat: 241). Die Anzahl der arbeitslosen Menschen über 50 Jahre ist mit 981 im Vergleich zum Vor-monat um 13 und zum Juni des Vorjahres um 54 gestiegen. Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen sank im Vormonatsvergleich um zwei Menschen und stieg im Vorjahresvergleich um 67, so dass 717 Menschen im Landkreis zu dieser Gruppe zählen.

487 Menschen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos und 461 Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, davon 170 durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.

639 Stellenangebote sind im Juni im aktuellen Bestand, davon 105 neu aufgenommene. Im Mai gab es 31 Angebote weniger. Im Vorjahresvergleich sind es 66 Stellen weniger. Die meisten Angebote gibt es bei den medizinischen und nicht-medizinischen Berufen mit 108 Stellen.  Bei den Bau-, und Ausbauberufen gibt es 106 Angebote und die Fertigungstechnischen Berufe bieten mit 79 offenen Stellen gute Einstiegschancen.

Landkreis Mühldorf

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf betrug im Juni 3,7 Prozent, das ist ein Anstieg um 0,1 Prozentpunkte zu der Mai-Quote. 2 624 Menschen waren im Juni arbeitslos gemeldet, 69 oder 2,7 Prozent mehr als im Mai. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 44 Menschen mehr, die Quote lag im Vorjahresmonat ebenfalls bei 3,7 Prozent.

Getrennt nach Rechtskreisen zählen 1 412 Kunden zur Agentur für Arbeit und 1 212 sind Kunden des Jobcenters.

Aktuell sind 269 Jüngere unter 25 Jahre gemeldet, wovon 50 unter 20 Jahre alt sind. Im Mai waren es noch 18 weniger. 1 015 Menschen sind älter als 50 Jahre, darunter gehören 789 zu den Älteren über 55 Jahre. Diese Altersgruppe hat 30,1 Prozent Anteil an der Gesamtheit aller Arbeitslosen im Landkreis.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt bei 755, das sind zwei mehr als im Mai und 29 mehr im Vorjahresvergleich.

574 Neumeldungen, das sind vier weniger als im Vormonat wurden von der Arbeitsvermittlung bearbeitet. Hiervon kamen 238 aus Erwerbstätigkeit. Dem stehen 501 Abmeldungen, das sind 206 weniger als im Vormonat, gegenüber. Hiervon gingen gut 36 Prozent wieder in Erwerbstätigkeit, das sind 182 Menschen.

638 Stellenangebote sind beim Arbeitgeberservice registriert, gegenüber Mai ist das ein Rückgang um 35 Angebote. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 22 Stellen weniger. 95 Angebote sind im Juni neu aufgenommen worden. 95 Angebote zählen zu den Fertigungstechnischen Berufen, 91 offene Stellen gibt es in IT und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen und 82 Angebote bieten die Handelsberufe.

Beitragsbild: © inn-sider.de

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