Hofbrauhaus Freising verkauft – Toerring-Bier vor einem Neubeginn?
Als wir im Sommer über das Ende des Braubetriebs in Jettenbach und die ungewisse Zukunft des Toerring-Biers berichteten, war die Lage beim Gräflichen Hofbrauhaus Freising noch offen. Die Traditionsbrauerei schrieb Verluste, Investoren wurden gesucht, ein Verkauf stand im Raum. Nun gibt es neue Entwicklungen.
Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur berichten, ist der Verkaufsprozess inzwischen abgeschlossen: Das Hofbrauhaus Freising wurde von der bisherigen Eigentümerfamilie Graf zu Toerring-Jettenbach an ein Investorenkonsortium unter Führung der Schweizer Argon Management AG veräußert. Der Eigentümerwechsel wurde im Herbst 2025 offiziell bestätigt.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Branchenkenner hatten jedoch bereits zuvor darauf hingewiesen, dass es sich angesichts der wirtschaftlichen Lage um einen sogenannten Share-Deal mit Übernahme erheblicher Verbindlichkeiten gehandelt haben dürfte. In regionalen Medien war in diesem Zusammenhang auch von einem symbolischen Kaufpreis die Rede (u. a. Merkur, tz).
Investoren setzen auf Fortführung des Standorts
Nach Angaben der neuen Eigentümer soll der Standort Freising erhalten bleiben. Ziel sei es, den Betrieb zu stabilisieren, Investitionen nachzuholen und die Marken des Hofbrauhauses neu zu positionieren. Das bestätigten Vertreter des Konsortiums gegenüber mehreren regionalen Medien, darunter dem Wochenanzeiger und der tz.
Damit ist zumindest kurzfristig ein Szenario vom Tisch, das in Freising wie auch im Landkreis Mühldorf große Sorgen ausgelöst hatte: Die vollständige Schließung der Brauerei.
Und was wird aus Toerring-Bier?
Offen bleibt für viele die Frage, was dieser Eigentümerwechsel für die Marke Toerring-Bier bedeutet. Nach Informationen aus dem Umfeld der Brauerei, über die unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet, sollen die bestehenden Marken nicht eingestellt, sondern zunächst weitergeführt werden. Dazu zählt auch das „Graf Toerring“, das seit der Stilllegung der Brauerei in Jettenbach Anfang der 2000er-Jahre ausschließlich in Freising gebraut wird.
Ein klares Bekenntnis zur Marke gibt es bislang allerdings nur indirekt. Öffentlich sprechen die neuen Eigentümer vor allem von einer strategischen Neuausrichtung, von Markenstärkung und neuen Absatzmärkten. Branchenexperten weisen darauf hin, dass Investoren bei Traditionsbrauereien häufig prüfen, welche Marken wirtschaftlich tragfähig sind – und welche langfristig verschwinden könnten.
Zweiter Abschied für Jettenbach?
Für Jettenbach hat diese Entwicklung eine besondere Bedeutung. Nachdem dort um das Jahr 2001 endgültig der letzte Sud gebraut wurde, lebt die Verbindung zum Bier der Grafen zu Toerring heute fast nur noch über den Namen weiter. Sollte Toerring-Bier künftig stärker verändert, umpositioniert oder gar aufgegeben werden, wäre das für viele in der Region ein zweiter, endgültiger Abschied von einer jahrhundertealten Brautradition.
Noch ist es nicht so weit. Doch klar ist: Mit dem Verkauf des Hofbrauhauses Freising ist die Ära der familiengeführten Toerring-Brauerei beendet. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass das Bier zumindest als Marke überlebt – auch wenn es mit dem ursprünglichen Schlossbräu in Jettenbach nur noch wenig gemeinsam hat.
Beitragsbild: © inn-sider.de
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