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Patrick Hüller: „Wohnen darf kein Luxus sein“

Bezahlbarer Wohnraum, ein bedarfsgerechter öffentlicher Nahverkehr und der verantwortungsvolle Umgang mit dem Flächenverbrauch – der Landkreis Mühldorf steht heute vor Weichenstellungen, die die Region über Jahrzehnte prägen werden. Patrick Hüller tritt als Landratskandidat für die SPD an, um diese drängenden Herausforderungen nicht nur zu verwalten, sondern mit strategischem Mut und einer klaren Vision für die Zukunft aktiv zu gestalten.

Patrick Hüller absolvierte nach dem Fachabitur an der FOS Mühldorf (Wirtschaft) eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparda Bank. Anschließend erwarb er an der FOM einen Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft. Er ist seit 2013 Mitglied der SPD und seit 2022 Kreisvorsitzender im Landkreis Mühldorf.

Sein Ziel ist es, soziale Verantwortung mit weitsichtiger Planung zu verbinden: Von der Stärkung der kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft bis hin zu flexiblen Mobilitätslösungen, die auch den ländlichen Raum attraktiv anbinden. Die wirtschaftlichen Chancen der Region sollen genutzt werden, ohne die Lebensqualität vor Ort zu opfern.

inn-sider: Was ist aus Ihrer Sicht das größte Versäumnis der aktuellen Führung?

Patrick Hüller: Ich glaube, dass die größten Herausforderungen unserer Zeit sehr komplex sind und viele Entscheidungen unter schwierigen Rahmenbedingungen getroffen wurden. Aus meiner Sicht hätte man bei einigen zentralen Zukunftsthemen – etwa bei der langfristigen finanziellen Planung, bei den Kliniken oder beim öffentlichen Nahverkehr – früher noch mutiger und strategischer nach vorne denken können.

Für mich ist entscheidend, aus diesen Erfahrungen zu lernen und jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen: vorausschauend, gemeinsam mit den Kommunen und mit einem klaren Blick auf die nächsten zehn bis zwanzig Jahre.

inn-sider: Die finanzielle Schieflage der Kliniken Mühldorf und Haag ist kritisch. Wie stehen Sie zu einer weiteren Spezialisierung der Standorte?

Patrick Hüller: Ich halte die Fusion mit den Kliniken des Landkreis Altötting für richtig und notwendig. Sie war ein wichtiger Schritt, um die medizinische Versorgung in der Region langfristig zu sichern und wirtschaftlich auf stabile Füße zu stellen.

Durch die Neuordnung der Standorte konnten wir das Angebot in Haag gezielt weiterentwickeln. Mit dem Ausbau des Medizinischen Versorgungszentrums ist dort weiterhin eine wohnortnahe medizinische Versorgung gewährleistet. Gleichzeitig erlaubt die Spezialisierung innerhalb des Klinikverbunds, Doppelstrukturen abzubauen, Qualität zu steigern und das medizinische Personal sinnvoll einzusetzen.

Für mich ist entscheidend: Strukturveränderungen dürfen kein Rückzug aus der Fläche sein. Sie müssen die Versorgung für die Menschen sichern – und genau das leistet die Fusion.

inn-sider: Wie wird der MVV-Anschluss den öffentlichen Nahverkehr verändern?

Patrick Hüller: Der Beitritt zum MVV ist ein großer Schritt nach vorn: einheitliche Tarife, mehr Transparenz und bessere Anschlussmöglichkeiten. Für viele Pendlerinnen und Pendler wird der ÖPNV dadurch erstmals wirklich attraktiv. Entscheidend ist aber, dass wir den MVV-Beitritt mit einem tatsächlichen Angebotsausbau verbinden – sonst bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück.

inn-sider: Welche Schritte muss der Landkreis unternehmen, um gerade im östlichen Landkreis den ÖPNV zu verbessern?

Patrick Hüller: Im östlichen Landkreis Mühldorf am Inn brauchen wir flexiblere Lösungen: Rufbusse, bedarfsgerechte Verkehre und bessere Verknüpfungen zwischen Bus und Bahn. Der ÖPNV muss sich stärker an den Lebensrealitäten der Menschen orientieren – an Arbeitszeiten, Schulwegen und Versorgung, nicht an starren Linienplänen.

inn-sider: A94: wirtschaftliche Chance und Flächenverbrauch – wie steuern Sie Gewerbeansiedlungen?

Patrick Hüller: Die Bundesautobahn 94 bringt unserem Landkreis große Chancen, aber auch Verantwortung. Ich setze auf eine aktive Steuerung von Gewerbeansiedlungen: Qualität vor Quantität. Wir brauchen Betriebe, die gute Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung im Landkreis halten – und gleichzeitig flächensparend bauen. Interkommunale Gewerbegebiete können helfen, Flächenverbrauch zu begrenzen und Erträge fair zu verteilen.

inn-sider: Große Investitionen in Berufsschulen und Förderzentren stehen an. Wie priorisieren Sie diese Bauvorhaben?

Patrick Hüller: Bildung hat für mich oberste Priorität. Gerade in Zeiten knapper Kassen dürfen wir hier nicht sparen. Wichtig ist eine klare Reihenfolge: Sicherheit und Funktionalität zuerst, dann energetische Sanierung und nachhaltige Bauweisen. Durch kluge Planung, modulare Baukonzepte und Fördermittel können wir Kosten dämpfen, ohne an Qualität zu verlieren.

inn-sider: Bezahlbarer Wohnraum wird zum Standortrisiko. Welche Rolle soll die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft spielen?

Patrick Hüller: Die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft muss künftig eine stärkere Rolle übernehmen. Bezahlbarer Wohnraum ist längst ein Standortfaktor für unsere Unternehmen und eine soziale Frage zugleich. Ich will mehr Mietwohnungen mit sozialer Bindung, Kooperationen mit Kommunen und Betrieben und eine konsequente Nutzung öffentlicher Grundstücke. Wohnen darf kein Luxus werden.

inn-sider: Die Unterbringung von Geflüchteten bringt viele Kommunen an ihre Grenzen. Welches Konzept verfolgen Sie?

Patrick Hüller: Die Situation hat sich zuletzt spürbar entspannt, weil die Fallzahlen zurückgegangen sind. Das ist ein wichtiger Faktor, der den Kommunen wieder mehr Handlungsspielraum verschafft. Entscheidend war aber vor allem die enge und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Gemeinden.

Gemeinsam ist es uns gelungen, Unterbringung besser zu organisieren, Belastungen fairer zu verteilen und pragmatische Lösungen vor Ort zu finden. Darauf will ich aufbauen: mit frühzeitiger Abstimmung, transparenter Kommunikation und klarer Unterstützung der Kommunen durch den Landkreis.

Ziel bleibt eine menschenwürdige, dezentrale Unterbringung, die die Leistungsfähigkeit der Gemeinden berücksichtigt und Integration dort ermöglicht, wo sie tatsächlich stattfindet – vor Ort.

inn-sider: Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Altötting stärken?

Patrick Hüller: Die Region Inn-Salzach kann mehr erreichen, wenn sie geschlossen auftritt. Mit dem Landkreis Altötting möchte ich die Zusammenarbeit deutlich intensivieren – etwa bei Kliniken, Verkehr und Wirtschaftsförderung. Gemeinsam haben wir in München und Berlin mehr Gewicht als jeder für sich allein.

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