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Neue Insektenparadiese auf blühenden Gemeindewiesen

Im Rahmen des NATÜRLICH BAYERN Projektes „Mühldorfs blühende Gemeindewiesen – hier ist ordentlich was los“ des LPV Mühldorf wurden in den vergangenen zwei Jahren insgesamt mehr als neun Hektar überwiegend kommunaler Flächen hinsichtlich ihrer Artenvielfalt aufgewertet, damit wieder mehr Insekten Nahrung finden. Die LPV-Mitgliedsgemeinden Ampfing, Aschau a. Inn, Buchbach, Haag i. OB, Heldenstein, Kraiburg a. Inn, Maitenbeth, Neumarkt-Sankt Veit, Taufkirchen und Waldkraiburg beteiligten sich mit großem Engagement am Projekt, um innerörtliche, ehemals artenarme Grünflächen, in blühende Wiesen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere nützliche Insekten umzuwandeln.

Bei den Gemeinden war man sich einig: „Wenn wir etwas für die Insekten tun wollen, müssen wir auf öffentlichen Flächen anfangen.“ Um die kommunalen Grünflächen insektenfreundlicher zu machen, wurden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, von der Pflegeumstellung bis zur Artenanreicherung durch Einsaaten mit gebietsheimischem Saatgut. Für eine erfolgreiche Umsetzung, beriet und schulte der LPV Mühldorf die Bauhofsleiter und Bauhofmitarbeiter der Gemeinden, wie eine insektenfreundlichen Pflege funktionieren kann.

Oftmals bergen Wiesenflächen noch schlummerndes Samenpotential, welches sich bei der richtigen Umstellung der Pflege entfalten kann. Umstellung bedeutet dabei, weg vom regelmäßigen Mulchen und hin zu einer ein- bis zweimaligen Mahd, bei der das Schnittgut anschließend von der Fläche abtransportiert wird. „Dies ist zum einen notwendig, um eine Nährstoffanreicherung im Boden zu verhindern. Je karger der Boden, umso leichter können sich Kräuter und Blütenpflanzen gegenüber den ansonsten starkwüchsigen Gräsern durchsetzen“ erklärt Esther Lindner, Stellvertretende Geschäftsführerin des LPV Mühldorf. „Zum anderen sind Blumen Lichtkeimer, die unter einer dichten, verfilzten Mulchschicht keine Chance zum Keimen haben“.

Bei anderen Flächen konnte eine Steigerung der Artenvielfalt wiederum nur über eine Einsaat erreicht werden. Damit unsere heimischen Insekten auch tatsächlich davon profitieren können, ist es wichtig, gebietsheimisches, sogenanntes autochthones Saatgut zu verwenden. „Unsere Insekten brauchen nicht nur bunte Blumen, sondern vor allem vielfältige Lebensräume mit gebietsheimischen Futterpflanzen wie Margerite, Wiesen-Flockenblume, Schafgarbe, Pippau, Wiesen-Glockenblume oder Salbei. Zudem brauchen sie Strukturreichtum für ihre Entwicklungsstadien.“, betont Lindner. Handelsübliche Samenmischungen für sogenannte „Blühflächen“ oder „Bienenweiden“ enthalten oft keine oder nur wenige heimische Arten und bergen daher für viele unserer oftmals spezialisierten, heimischen Insekten keinerlei Nutzen.

Bei der Bevölkerung werben die Gemeinden um Verständnis für die neuen Pflegekonzepte ihrer aufgewerteten Wiesenflächen: „Insekten brauchen keine kurzgeschnittenen Rasen, sondern blühende heimische Pflanzen. Das kann dann auf den ersten Blick schon mal etwas unordentlicher aussehen,“ so der Hinweis aus den Gemeindeverwaltungen, dafür ist auf diesen Flächen dann aber in Sachen Insekten „ordentlich was los.“ Auch ungemähte Teilbereiche, die teilweise auch über den Winter stehen gelassen werden, haben eine wichtige Funktion. Sie dienen den Insekten unter anderem in ihren Larvenstadien als Rückzugs- und Überwinterungsräume. So entstehen neue Insektenparadiese. Esther Lindner vom LPV Mühldorf lobt die Initiative und das große Engagement der Gemeinden: „Jede neu geschaffene oder insektenschonend bewirtschaftete Fläche leistet einen kleinen Beitrag gegen den Artenschwund“.

Hintergrund

In der Initiative „NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume“ des Deutschen Verbands für Landschaftspflege engagieren sich 30 Landschaftspflegeverbände über fünf Jahre in jeweils zweijährigen Projekten für mehr Insektenvielfalt in bayerischen Kommunen. NATÜRLICH BAYERN wird vom Bayerischen Umweltministerium mit 3 Millionen Euro gefördert und ist Teil des Blühpakts Bayern.

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege ist der Dachverband der 64 Landschaftspflegeverbände und vergleichbare Organisationen in Bayern.

Beitragsbild: Hinweisschilder an den aufgewerteten Gemeindeflächen informieren über die umgesetzten Maßnahmen und die Hintergründe der neuen Pflegekonzepte der neu geschaffenen Insektenparadiese. (Foto: LPV Mühldorf)

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