Gemeinsam gegen den Müll – Die „Plogging-Gruppe Mühldorf und Umgebung“ stellt sich vor

Das Problem begegnet uns auf Schritt und Tritt: Müll und Kippen entlang der Straßen und Wege, in den Grünanlagen, in den Gewässern, in der Landschaft, in den Wäldern und auf den Äckern. Auf Schritt und Tritt erleben wir die Schattenseiten einer Wohlstandsgesellschaft.

Doch der Müll von heute ist das „Gift“ von morgen.

Und weil wir uns darüber nicht immer nur ärgern und uns beschweren wollten, nahmen wir das Problem mit dem Müll selbst in die Hand. Steffi und Roland Scherer, die Gründer der Plogging-Gruppe, haben im Dezember 2019 begonnen beim Spazierengehen das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: „Auf unseren Spaziergängen, am Abend oder am Wochenende, haben wir uns mit Tüten und Greifzangen ausgestattet und alles eingesammelt, was in der Öffentlichkeit herumliegt und eigentlich in die Mülltonne gehört. Die ersten Sammelergebnisse zeigten schon, dass es keine Kunst war, die Tüte binnen kurzer Zeit bis an den Rand zu füllen. Der fragwürdige ‚Erfolg‘ erschreckte uns zutiefst. Das schöne Bild einer sauberen deutschen Stadt verblasste zusehends.“

Wir stießen auf das in Schweden kreierte Kunstwort ‚Plogging‘, das eine ‚Natursportart‘ beschreibt, bei der während des Joggings Abfall aufgehoben wird. Eine pfiffige Idee, die weltweite Beachtung und Verbreitung fand, um der Vermüllung der Natur entgegenzuwirken. Uns war schnell klar: Mit Joggen ist das nicht zu bewältigen – der überall herumliegende Abfall kann nur im Gehen aufgehoben werden. Es folgte die Einsicht, dass es einer Sisyphusaufgabe gleichkommt, wenn es nicht gelingt Gleichgesinnte zu finden, die das Müllsammeln zu einem Gruppenerlebnis werden lassen. Ungeachtet dessen, macht es in der Gruppe mehr Spaß und viele Hände schaffen einfach mehr. So gründeten wir im Januar 2020 die Plogging-Gruppe Mühldorf und Umgebung.

Seitdem hat sich ein Kreis von rd. 150 Facebook-Mitgliedern entwickelt. Ein Stamm von etwa 15 Überzeugungstätern nimmt an organisierten Müll-Sammelaktionen teil. Viele der Facebook-Mitglieder schreiten allein zur Tat und sammeln mehr oder weniger regelmäßig in ihrer näheren Umgebung Abfall.

Die Gruppe kann auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken, die so von den Gründern erträumt, aber nicht für möglich gehalten wurde. Im letzten Jahr hat die Plogging-Gruppe insgesamt fast 2 Tonnen Restmüll gesammelt und der thermischen Verwertung zugeführt (der Abfall, der außerhalb unserer Aktionen gesammelt und in öffentlichen oder privaten Abfallbehältnissen verschwunden ist, ist darin nicht enthalten). Auch Autoreifen, Pfandflaschen/-dosen, Einweggläser, Metalle (u.a. pfandfreie Dosen) sowie Batterien sind darin nicht enthalten – diese Müllfraktionen wurden ausgesondert und dem Recycling zugeführt.

Dass alleine im Jahr 2020 über 93.000 bzw. 21,8 kg Zigarettenkippen von der Gruppe gesondert gesammelt wurden, hat einen speziellen Grund: Zigarettenkippen gelten als Sondermüll und sind der am häufigsten vorkommende, unsere Straßen und Plätze verseuchende Abfall. Kippen sind kleine toxische Zeitbomben, über dessen Gefahr sich nur die wenigsten bewusst sind.

Ein entscheidender Faktor für den Durchbruch der Gruppe, war die Möglichkeit zur Entsorgung des Restmülls. Schon im April 2020 hatten wir unseren eigenen Container, der uns unentgeltlich von der SMR Schrott-Metall-Recycling GmbH bis heute zur Verfügung gestellt wird. Michael Müller, der Betriebsleiter vom SMR hat uns uns schon sehr früh seine Unterstützung angeboten und somit die Basis geschaffen.

Hedi Fechner, von der Abfallwirtschaft des Landratsamtes Mühldorf unterstütze uns von der ersten Stunde mit Müllsäcken. Mittlerweile übernimmt die Abfallwirtschaft die Kosten für die Leerung unseres Containers.

Ohne Hilfestellung von außen, wäre vieles nicht oder wesentlich erschwerter umzusetzen gewesen. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen unseren Unterstützern bedanken, die uns mit Warnwesten, Greifern, Eimern, Sammelfässern, Müllsäcken und Drucksachen (z.B. Visitenkarten) ausgestattet haben.

Ein ganz besonderer Dank geht auch an die Stadtverwaltung Mühldorf a. Inn, von der wir sehr viel Unterstützung erfahren. Mühldorfs Umweltreferent, Stephan Schinko, hat dabei immer ein offenes Ohr und unterstützt uns auch bei Anschaffungen wie Taschenaschenbechern und notwendiger Ausrüstung.

Was treibt uns an? Wir sammeln Müll, weil uns wichtig ist, dass unsere Natur, die Zukunft folgender Generationen, die Landschaft vor unserer Haustür, der Lebensraum von uns Menschen, unserer Heimat, nicht durch Abfall und die daraus austretenden Schadstoffen belastet wird. Dazu wollen wir unseren bescheidenen Beitrag leisten.

Es ist die Vision der Gründer der Plogging-Gruppe, Mühldorf irgendwann vom Müll frei zu bekommen. Das kann gelingen, wenn sich genügend Menschen finden, die für einen Teil ihres Wohnumfeldes (z.B. einen Gehsteig oder einen Grünbereich) Verantwortung übernehmen und diesen vom Abfall befreien.

Es bleibt zu hoffen, dass sich bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, angesichts der besorgnis­erregenden Situation, so viel Betroffenheit einstellt, dass auch sie sich nicht mehr scheuen Abfall aufzuheben und der ordnungsgemäßen Entsorgung zuzuführen. Es braucht noch viele, die den Mut haben in der Öffentlichkeit als „Plogger“ aufzutreten, so ganz nebenbei beim Spazierengehen. Wir suchen daher weitere fleißige Hände, die dem Müll ebenfalls die rote Karte zeigen und mit anpacken wollen. Weitere Informationen findet Ihr unter www.plogging-muehldorf.de. Hier gibt es auch den Link zum Beitritt in unsere Gruppe.

Wir freuen uns auf jede Unterstützung, die wir erhalten. So suchen wir aktuell einen „Unterschlupf“, indem wir unsere Ausrüstung und eventuell auch einen Anhänger unterstellen können.

Kontaktieren könnt ihr uns unter der Emailadresse kontakt@plogging-muehldorf.de

Wir freuen uns auf EUCH!

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