Der Wochenrückblick vom 2. bis 6. November 2026
Eine Woche mit einem traurigen Einschnitt für die bayerische Landespolitik, neuen Zahlen zum Bahnverkehr und mehreren Entscheidungen für Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Sicherheit: Zwischen dem 2. und 6. November standen sowohl landespolitische Themen als auch Entwicklungen im ländlichen Raum im Mittelpunkt.
Für Südostbayern gibt es diesmal besonders beim Bahnverkehr konkrete Nachrichten. Auch die angekündigten EU-Direktzahlungen für landwirtschaftliche Betriebe und neue Fördermöglichkeiten für Dorfentwicklung sind für unsere Region interessant.
Das Wichtigste in Kürze:
Hubert Aiwanger verstorben: Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident starb am 4. November im Alter von 55 Jahren. Sein Tod hinterlässt eine wichtige personelle Lücke in der Staatsregierung und bei den Freien Wählern.
Bahnverkehr mit Rekordnachfrage: Die zurückgelegten Strecken im bayerischen Nahverkehr stiegen 2025 auf knapp 13 Milliarden Personenkilometer. Auf der Verbindung Markt Schwaben–Mühldorf betrug das Plus zwölf Prozent.
Bauarbeiten bei der Südostbayernbahn: Zwischen Mühldorf und Landshut sowie zwischen Mühldorf und Passau kommt es vom 2. bis 9. November zu Zugausfällen und Schienenersatzverkehr.
Landwirtschaft: Bayern will noch vor Weihnachten mehr als 800 Millionen Euro EU-Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe auszahlen.
Dorfentwicklung: 15 bayerische Gemeinden erhalten zusammen weitere 5,63 Millionen Euro für Dorferneuerung und Wegebau. Eine neue Förderrunde läuft bereits.
Bevölkerungsschutz: Bei einer bundesweiten Krisenmanagementübung wurde der Umgang mit einer extremen Hitzewelle und anhaltender Trockenheit trainiert.
Was Bayern für unsere Region bedeutet
Bahnverkehr: Mehr Fahrgäste – aber weiterhin Einschränkungen in Südostbayern
Am 6. November veröffentlichte das Bayerische Verkehrsministerium neue Zahlen zur Nutzung des Schienenpersonennahverkehrs. Das Ergebnis: Im Jahr 2025 legten die Fahrgäste in bayerischen Regional- und S-Bahnen insgesamt knapp 13 Milliarden Personenkilometer zurück. Das entspricht einem Anstieg von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders interessant ist dabei ein Wert mit direktem Bezug zu unserer Region: Auf dem Streckenabschnitt zwischen Markt Schwaben und Mühldorf nahm die Nachfrage um zwölf Prozent zu.
Auch der Bahnhof Schwindegg erreichte erstmals beziehungsweise erneut mehr als 1.000 tägliche Ein- und Aussteiger an Werktagen.
Die Zahlen zeigen, dass die Bahn für immer mehr Menschen im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielt. Gerade die Verbindung nach München ist für Berufspendler, Schüler und Auszubildende von Bedeutung.
Allerdings gibt es auch eine andere Seite der Entwicklung.
Während die Nachfrage steigt, bleibt die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs ein Problem. Die Südostbayernbahn muss derzeit auf mehreren Strecken wegen Bauarbeiten Einschränkungen vornehmen.
Vom 2. bis 9. November entfallen beispielsweise die Züge zwischen Mühldorf und Landshut sowie zwischen Mühldorf und Passau. Für die betroffenen Verbindungen ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Auch auf der Strecke Mühldorf–München gelten weiterhin geänderte Fahrpläne. Ab dem 19. November steht zudem eine größere Baumaßnahme mit einer längeren Streckensperrung bevor.
Was bedeutet das für unsere Region?
Die Kombination aus steigender Nachfrage und eingeschränktem Angebot zeigt, vor welcher Herausforderung der regionale Bahnverkehr steht. Mehr Menschen nutzen die Bahn, gleichzeitig müssen Infrastruktur und Fahrpläne verbessert werden.
Das Verkehrsministerium verweist auf den Bedarf zusätzlicher Regionalisierungsmittel vom Bund, um die Kapazitäten ausbauen zu können. Für die Fahrgäste in Mühldorf, Altötting und dem Wasserburger Land zählt am Ende allerdings vor allem, dass Verbindungen zuverlässig funktionieren und Anschlüsse erreichbar bleiben.
Landwirtschaft: Über 800 Millionen Euro EU-Direktzahlungen angekündigt
Am 2. November informierte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber über die geplante Auszahlung der EU-Direktzahlungen für bayerische Landwirtschaftsbetriebe.
Bayern will die voraussichtlich mehr als 800 Millionen Euro am 21. Dezember auszahlen. Damit sollen die Mittel noch vor Weihnachten auf den Konten der Betriebe eingehen.
Die Direktzahlungen sind Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Sie sollen landwirtschaftliche Betriebe bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen unterstützen und einen Beitrag zur Einkommenssicherung leisten.
Bedeutung für Mühldorf und Altötting
In unseren beiden Landkreisen spielt die Landwirtschaft eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Entsprechend relevant ist die angekündigte Auszahlung auch für die regionalen Betriebe.
Gerade in Zeiten hoher Betriebskosten und wirtschaftlicher Unsicherheiten können planbare Zahlungseingänge bei der Finanzierung des laufenden Betriebs helfen.
Allerdings handelt es sich nicht um eine zusätzliche bayerische Sonderförderung. Die Direktzahlungen beruhen auf europäischen Regelungen. Die angekündigte Auszahlung zum 21. Dezember ist zunächst der Zeitplan des Freistaats.
Wie hoch die Zahlungen für einzelne Betriebe ausfallen, hängt unter anderem von den jeweiligen Flächen und Fördervoraussetzungen ab.
Neue Fördermöglichkeiten für Dorfentwicklung und Wegebau
Am 4. November gab das Landwirtschaftsministerium weitere Fördermittel für die Entwicklung des ländlichen Raums bekannt.
Insgesamt 15 bayerische Gemeinden erhalten zusätzliche 5,63 Millionen Euro für Projekte der Dorferneuerung und des Wegebaus.
Gleichzeitig wurde eine weitere Antragsrunde eröffnet. Gemeinden können Fördermittel für Investitionen zwischen 25.000 und 1,5 Millionen Euro beantragen. Der Zuschuss kann bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten betragen.
Die Anträge müssen bis zum 15. Januar 2027 beim jeweils zuständigen Amt für Ländliche Entwicklung eingereicht werden.
Bevölkerungsschutz: Bayern übt den Ernstfall bei Hitze und Dürre
Vom 4. bis 6. November fand die bundesweite Krisenmanagementübung LÜKEX 26 statt. Mehr als 150 Behörden und Organisationen sowie zehn Bundesländer beteiligten sich an der Übung.
Das Szenario: eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 45 Grad nach einer längeren Trockenperiode.
Geübt wurde, wie Bund, Länder und weitere beteiligte Stellen auf eine solche Krisensituation reagieren und ihre Zusammenarbeit koordinieren.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zog am 6. November eine erste positive Bilanz.
Warum ist das für Südostbayern interessant?
Hitze und Trockenheit sind längst keine rein theoretischen Szenarien mehr. Sie können die Wasserversorgung, Landwirtschaft, Wälder, Gesundheitseinrichtungen und die Energieversorgung belasten.
Gerade eine ländlich geprägte Region wie Südostbayern muss auf solche Situationen vorbereitet sein. Dazu gehören funktionierende Warnsysteme, abgestimmte Einsatzpläne und eine gute Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Feuerwehren, Rettungsdiensten und Behörden.
Außerdem wichtig in Bayern
Hubert Aiwanger gestorben: Einschnitt für die bayerische Landespolitik
Am 4. November starb Hubert Aiwanger im Alter von 55 Jahren in Berlin. Er war seit 2018 Bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident sowie langjähriger Landes- und Bundesvorsitzender der Freien Wähler.
Sein plötzlicher Tod löste parteiübergreifend Bestürzung aus. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion gab es keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die Ermittlungen zur genauen Todesursache liefen zunächst weiter.
Für die Staatsregierung bedeutet sein Tod einen erheblichen personellen Einschnitt. Aiwanger hatte über Jahre die Wirtschafts-, Energie- und Landesentwicklungspolitik des Freistaats mitgeprägt.
Ministerpräsident Markus Söder erklärte, die Regierungszusammenarbeit mit den Freien Wählern fortsetzen zu wollen. Die Freien Wähler müssen sich zugleich organisatorisch und politisch neu aufstellen.
Auch für Niederbayern und die ländlich geprägten Regionen Oberbayerns war Aiwanger eine bekannte politische Persönlichkeit. Er stammte aus Ergoldsbach im Landkreis Landshut und hatte einen landwirtschaftlichen Hintergrund.
Digitale Souveränität: Bayern und Schleswig-Holstein arbeiten zusammen
Am 4. November vereinbarten Bayern und Schleswig-Holstein eine engere Zusammenarbeit bei offenen IT-Lösungen für die öffentliche Verwaltung.
Im Mittelpunkt stehen Software und digitale Infrastrukturen, die unabhängig von einzelnen Herstellern eingesetzt und weiterentwickelt werden können.
Hintergrund ist die Frage, wie öffentliche Verwaltungen ihre digitale Handlungsfähigkeit sichern und Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern verringern können.
Für Kommunen und Landratsämter könnte das langfristig interessant werden. Einheitliche und offene Lösungen könnten den Austausch zwischen Behörden erleichtern. Konkrete Auswirkungen auf die Verwaltungen in Mühldorf und Altötting sind allerdings noch nicht beschlossen.
Pflege: Digitalisierung soll Beschäftigte entlasten
Am 5. November zog Gesundheitsministerin Judith Gerlach eine Zwischenbilanz zur bayerischen HighCare Agenda. Das Programm soll die Digitalisierung in der Pflege voranbringen.
Dabei geht es unter anderem um den Einsatz digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz, um Arbeitsabläufe zu erleichtern und Pflegekräfte zu unterstützen.
Der Handlungsbedarf ist groß: Nach den Berechnungen der Staatsregierung könnte die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern bis 2050 auf bis zu 980.000 steigen. Ende 2023 waren es noch rund 631.000.
Für unsere Region ist die Entwicklung besonders relevant, weil auch im Landkreis Mühldorf und im Landkreis Altötting die Versorgung älterer Menschen und die Sicherung von Pflegepersonal wichtige Zukunftsfragen sind.
K.-o.-Tropfen: Bundestag beschließt strengere Strafen
Am 6. November beschloss der Bundestag eine Verschärfung des Strafrechts beim Einsatz narkotisierender Mittel im Zusammenhang mit Vergewaltigung oder Raub.
Künftig soll eine Mindeststrafe von fünf Jahren gelten, bisher waren es drei Jahre.
Bayerns Justizminister Josef Schmid begrüßte die Entscheidung. Die Änderung betrifft das Bundesrecht und gilt damit nicht nur in Bayern.
Waldbrand im Chiemgau: Wiederbewaldung am Saurüsselkopf beginnt
Nach dem großen Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding hat das Forstministerium am 3. November Maßnahmen zur Wiederbewaldung gestartet.
Rund 80 Hektar Schutzwald waren durch das Feuer beschädigt worden. Wegen des steilen Geländes kommt unter anderem eine spezielle Drohne zum Einsatz, die Saatgut verteilt. Zusätzlich sollen rund 12.000 junge Bäume gepflanzt werden.
Die Maßnahmen kosten knapp 300.000 Euro.
Für den südostbayerischen Raum ist das Thema auch deshalb interessant, weil Schutzwälder wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt, den Bodenschutz und den Schutz vor Naturgefahren erfüllen.
Winterdienst: Bayern bereitet sich auf die kalte Jahreszeit vor
Am 4. November informierte das Verkehrsministerium über die Vorbereitungen des bayerischen Winterdienstes.
Rund 400.000 Tonnen Streusalz stehen demnach zur Verfügung. Etwa 2.000 Beschäftigte der staatlichen Bauverwaltung sollen im Winter für sichere Straßen sorgen.
In Niederbayern wird außerdem ein Pilotprojekt mit elektrischen Lastwagen im Winterdienst erprobt.
Die Maßnahmen betreffen auch die Straßenmeistereien in Südostbayern. Gerade bei winterlichen Straßenverhältnissen sind eine gute Vorbereitung und ausreichend Personal entscheidend.
Quellen: Newsletter der Bayerischen Staatsregierung vom 6. November 2026, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr: Historisches Hoch bei der SPNV-Nachfrage, Südostbayernbahn: Baustellen und Fahrplananpassungen, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: EU-Direktzahlungen und Dorferneuerung, Bayerisches Staatsministerium des Innern: Krisenmanagementübung LÜKEX 26, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie: Trauer um Hubert Aiwanger, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention: HighCare Agenda, Bayerisches Staatsministerium für Digitales: Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein, Regionale Berichterstattung aus Mühldorf, Altötting und dem Wasserburger Land; Beitragsbild: Trauerbeflaggung © inn-sider.de