Spurenwanderung in Aschau-Werk: Wie aus einem Rüstungsstandort eine neue Heimat wurde

81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtet sich in Aschau a. Inn der Blick auf ein prägendes Kapitel der Ortsgeschichte. Während der heutige Ortsteil Aschau-Werk vielen als Wohn- und Gewerbestandort bekannt ist, reicht seine Geschichte zurück in die Zeit des Nationalsozialismus.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Aschau-Werk ein bedeutender Rüstungsstandort. Die weitläufigen Bunkeranlagen und Produktionsgebäude wurden für die kriegswichtige Industrie errichtet und prägten das Ortsbild nachhaltig. Nach Kriegsende im Jahr 1945 standen die Anlagen zunächst vor einer ungewissen Zukunft. Gleichzeitig erreichten zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten den Landkreis Mühldorf. Viele von ihnen hatten ihre Heimat, ihren Besitz und oftmals auch Familienangehörige verloren.

Ab 1946 wurden zahlreiche dieser Menschen in den leerstehenden Bunkeranlagen und Gebäuden des ehemaligen Rüstungswerks untergebracht. Aus einer zunächst provisorischen Unterkunft entwickelte sich nach und nach eine neue Gemeinschaft. Die Familien bauten sich unter schwierigen Bedingungen eine neue Existenz auf und legten damit den Grundstein für den heutigen Ortsteil Aschau-Werk.

Um diese besondere Entwicklung nachvollziehbar zu machen, lädt das Aschauer Team von „erinnern45“ alle Interessierten am Freitag, 12. Juni 2026, um 18 Uhr zu einer historischen Spurenwanderung mit Archivpfleger Franz Wicho ein.

Während des rund 90-minütigen Rundgangs werden die Veränderungen vom ehemaligen Rüstungsbetrieb hin zu einem lebendigen Ortsteil nachgezeichnet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Einblicke in die Lebensbedingungen der ersten Bewohner nach dem Krieg und erfahren Wissenswertes über noch heute vorhandene Gebäude, Straßen und Plätze aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird deutlich, wie eng die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Neuanfang mit der Entwicklung Aschau-Werks verbunden ist.

Die etwa zwei Kilometer lange Wanderung beginnt am Parkplatz der Kirche St. Josef. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Veranstaltung ist Teil des Projekts Erinnern ’45. Kriegsende im südlichen Landkreis Mühldorf a. Inn, das sich mit den Ereignissen rund um das Kriegsende und deren Auswirkungen auf die Gemeinden im südlichen Landkreis Mühldorf beschäftigt. Ziel des Projekts ist es, historische Entwicklungen sichtbar zu machen und persönliche Schicksale sowie lokale Erinnerungen für kommende Generationen zu bewahren. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und zum Gesamtprojekt finden sich auf der Projektwebsite.

Beitragsbild: Bunkerkirche Aschau Werk im Jahr 1955; Bildrechte: Archiv der Gemeinde Aschau a. Inn

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