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Maximilian Heimerl: Herausforderungen und Zukunftsprojekte

Maximilian Heimerl ist seit 2020 Landrat des Landkreises Mühldorf In unserem Interview blickt er auf die letzten Jahre zurück und erklärt, welche Projekte er sich für die Zukunft vorgenommen hat.

Der Landkreis Mühldorf steht wie viele Regionen in Bayern vor großen Herausforderungen. Seit 2020 leitet Maximilian Heimerl die Verwaltung, in die Wahl am 8. März geht der CSU-Kandidat als Favorit. Im Interview gibt er einen Ausblick, was die Bürger von einer zweiten Amtszeit erwarten können.

inn-sider: Was ist Ihre wichtigste noch unvollendete Aufgabe?

Maximilian Heimerl: Wir haben in dieser Periode sehr viel angeschoben, insbesondere, wenn man berücksichtigt, unter welchen Rahmenbedingungen wir gestartet sind. Als ich meine Tätigkeit aufgenommen habe, befanden wir uns mitten im Corona-Lockdown. Für intensive Gespräche oder ein persönliches Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blieb zunächst kaum Raum, weil wir als Behörde für den Landkreis in dieser Pandemie schlicht funktionieren mussten.

Kaum hatten wir diese Phase bewältigt, folgte mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine bereits die nächste große Krise. Die daraus resultierende Energiekrise hat uns erneut stark gefordert.

Trotz dieser außergewöhnlichen Herausforderungen haben wir sehr viele Projekte auf den Weg gebracht. Gerade in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landkreises gibt es aber keine klassische „Ziellinie“. Das ist kein Projekt, das man irgendwann abschließt, sondern ein fortlaufender Prozess. Genau das treibt mich jeden Tag an, unsere Region weiterzuentwickeln und unseren Chancenlandkreis wirtschaftlich nach vorne zu bringen.

Ein zentrales Zukunftsprojekt ist dabei der Wirtschaftsraum und die Innovationsachse A94. Dieses Vorhaben wird uns noch viele Jahre begleiten. Meine klare Vorstellung ist, dass wir entlang dieser Verkehrsachse mehrere Ziele miteinander verbinden: eine spürbare Lärmreduktion für die Bürgerinnen und Bürger erreichen, die Autobahn energiepolitisch sinnvoll nutzen – etwa durch den Ausbau von Energieanlagen – und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung entlang dieser Achse weiter massiv stärken. Eine solche Entwicklungsmöglichkeit haben wir in ganz Oberbayern nicht mehr, nur hier bei uns.

Folgerichtig haben wir neben diesen wirtschaftspolitischen Bestrebungen auch das Landkreiswerk mit mittlerweile 24 Kommunen gegründet. Dort wollen wir erneuerbare Energieprojekte mit klarem Fokus auf regionale Wertschöpfung auf den Weg bringen. Das Landkreiswerk ist gegründet, hat gerade den Betrieb aufgenommen und wird uns in den kommenden Jahren massiv dabei helfen, die Energiewende im Landkreis voranzutreiben und die Wertschöpfung bei uns vor Ort zu halten. Auch das ist ganz konkrete und aktive Wirtschaftspolitik.

Wir kommen Schritt für Schritt voran. Genau diesen Weg möchten wir auch in den kommenden Jahren mit großem Nachdruck weitergehen.

inn-sider: Die finanzielle Schieflage der Kliniken (Mühldorf/Haag) ist kritisch. Wie stehen Sie zu einer weiteren Spezialisierung der Standorte, wenn dies im Gegenzug den Erhalt der Grundversorgung sichert?    

Maximilian Heimerl: Das Defizit wird vor allem von äußeren Rahmenbedingungen beeinflusst, die wir nicht beeinflussen können. Damit stehen wir nicht allein. Was mich positiv stimmt, ist die Entwicklung im InnKlinikum. Wir haben frühzeitig die Weichen gestellt und als einer der wenigen Landkreise in Deutschland schon 2024 die Trendwende geschafft. Die Spezialisierung der Standorte war Teil der Neustrukturierung. Die positiven Effekte sehen wir bereits. Der Defizitausgleich für den Landkreis sinkt gegenüber 2025 um weitere rund drei Millionen Euro auf neun Millionen Euro. Das ist vor allem das Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Reformkurs mit großem Engagement jeden Tag aufs Neue mit umsetzen. 

inn-sider: Wie wird der MVV-Anschluss den öffentlichen Nahverkehr verändern? 

Maximilian Heimerl: Durch die MVV-Verbundraumerweiterung wird der Tarifdschungel im ÖPNV gelichtet. Damit wird den Bürgerinnen und Bürgern der Zugang zum ÖPNV vereinfacht. Dies gelingt durch eine deutlich verbesserte Fahrgastinformation und einheitliche Tarife bei den Fahrkarten. Mit dem MVV-Beitritt des Landkreises kommt nun auch z.B. das 365-Euro-Ticket und die digitale Streifenkarte in den Landkreis Mühldorf a. Inn. Seit dem 1. Januar 2026 können Fahrgäste mit einem einzigen Ticket alle Verkehrsmittel (Regionalzüge, S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus) im MVV-Raum nutzen. Aus Landkreisen früherer Beitrittswellen ist bekannt, dass diese Vereinfachung und Digitalisierung der ÖPNV-Welt auch dazu führt, dass mehr Bürgerinnen und Bürger öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Zusätzlich haben wir es geschafft, dass die kostenlose Fahrradmitnahme bei uns auch weiterhin möglich ist. 

inn-sider: Welche Schritte muss der Landkreis unternehmen, um gerade im östlichen Landkreis die Anbindung an den ÖPNV zu verbessern?    

Maximilian Heimerl: Gerade wenn es sich um landkreisübergreifende Buslinien handelt, ist es hilfreich, wenn es keine Tarifgrenzen gibt. Ein Beitritt des Landkreises Altötting zum MVV würde hier zu erheblichen Vereinfachungen für die Bürgerinnen und Bürger im östlichen Landkreis führen. Die ÖPNV-Verbesserungsmöglichkeiten orientieren sich an den genehmigten Konzessionslaufzeiten. Die Linien im östlichen Bereich sind zum Großteil noch bis 2030 oder länger genehmigt. Generell besteht im östlichen Landkreis Richtung Altötting bereits eine sehr gute Anbindung im Stundentakt mit den Linien AÖ 10 und AÖ 11. 

inn-sider: Der Landkreis profitiert von der A94, leidet aber unter Flächenverbrauch. Wie wollen Sie Gewerbeansiedlungen steuern, um Wertschöpfung zu generieren, ohne die Landschaft völlig zu versiegeln?    

Maximilian Heimerl: Ziel muss es sein, dass wir die Flächen, die uns für mögliche Gewerbeansiedlungen zur Verfügung stehen, intelligent und verantwortungsvoll nutzen. Dabei gilt ganz klar: Wir wollen keine Ansiedlungen um jeden Preis. Entscheidend ist eine gezielte und abgestimmte Entwicklung gemeinsam mit den Gemeinden entlang der A94. Ansiedlungen müssen gesteuert erfolgen, sinnvoll eingebettet sein und einen echten Mehrwert für unsere Region schaffen, durch Arbeitsplätze, Innovation und regionale Wertschöpfung.

Wir gehen dabei noch einen Schritt weiter. Wir wissen, dass Energie und die richtige Energieversorgung heute ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen ist. Genau diesen Faktor wollen wir künftig stärker in unserer Ansiedlungspolitik berücksichtigen. Wer sich bei uns ansiedelt, soll von einer zukunftsfähigen Energieversorgung profitieren und gleichzeitig dazu beitragen, dass wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Energiepolitik bei uns Hand in Hand gehen.

So schaffen wir Wertschöpfung, ohne unsere Landschaft planlos zu verbrauchen, sondern indem wir Entwicklung bewusst und klug gestalten.

inn-sider: Große Investitionen in die Berufsschulen und das Sonderpädagogische Förderzentrum stehen an. Wie priorisieren Sie diese Bauvorhaben angesichts steigender Baupreise und knapper Kassen?    

Maximilian Heimerl: Der Landkreis Mühldorf a. Inn hat sich bewusst entschieden, trotz einer angespannten Haushaltslage und trotz vieler finanzieller Herausforderungen große Investitionen in seine weiterführenden Schulen auf den Weg zu bringen. Bildung ist die Grundlage für unsere Gesellschaft von morgen. Dies ist eine Investition in die Zukunft. Die Priorisierung orientiert sich dabei maßgeblich an der fachlichen Einschätzung der Landkreisverwaltung in Abstimmung mit den jeweiligen Schulleitungen und an den Investitionsmöglichkeiten des Landkreises, welche sich durch die jeweiligen Haushaltsplanungen ergeben. Realistisch kann der Landkreis finanziell nur immer eine große Investition stemmen. Parallel dazu laufen aber bereits die Planungen und Vorbereitungen für die weiteren Projekte.

inn-sider: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird zum Standortrisiko für unsere Unternehmen. Welche Rolle soll die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft künftig spielen?    

Maximilian Heimerl: Fakt ist, die Baukonjunktur befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase. Gleichzeitig sehen wir aber bereits erste Frühindikatoren, die Hoffnung auf eine Belebung geben. So steigt im Landratsamt die Zahl der Baugenehmigungen bereits wieder an. Das ist ein positives Signal.

Trotzdem musss auch bei uns im Landkreis künftig deutlich mehr Wohnraum geschaffen werden. Dafür braucht es mehrere Bausteine. Zum einen müssen zusätzliche Baugebiete ausgewiesen werden können. Das hängt natürlich auch davon ab, inwieweit die Regierung von Oberbayern entsprechende Baulandausweisungen genehmigt – dafür setzen wir uns weiterhin ein. Bezahlbarer Wohnraum entsteht vor allem durch ein größeres Angebot auf dem Markt. Wir müssen also die Angebotsseite stärken und mehr Wohnraum schaffen. Für die Menschen, die bereits hier leben, aber auch für diejenigen, die künftig bei uns arbeiten und wohnen wollen.

Dabei müssen auch die Rahmenbedingungen wieder stimmen. Bauen muss einfacher und günstiger werden. Instrumente wie der sogenannte Bauturbo oder der Gebäudetype E können hier helfen. Denn wenn die Baukosten so hoch sind, dass am Ende kein wirtschaftlich tragfähiger Mietpreis möglich ist, dann wird auch eine kommunale oder kreiseigene Wohnbaugesellschaft nur sehr eingeschränkt tätig werden können. Die Aufgabe der Wohnbaugesellschaft bleibt deshalb wichtig, aber ihre Projekte müssen wirtschaftlich solide kalkuliert sein. Es geht darum, verantwortungsvoll zu investieren und dort Wohnraum zu schaffen, wo er langfristig bezahlbar und tragfähig ist.

inn-sider: Die Kapazitäten bei der Unterbringung von Geflüchteten sind vielerorts erschöpft. Welches Konzept verfolgen Sie, um die Kommunen bei der Integration und dezentralen Unterbringung besser zu unterstützen?    

Maximilian Heimerl: Wichtig ist, dass wir als kommunale Familie im Landkreis den Herausforderungen gemeinsam begegnen. Die Unterkunftsverwaltung des Landratsamtes arbeitet weiterhin intensiv daran, ausreichend Unterkünfte zur Unterbringung der Geflüchteten vorzuhalten. Integration aber beginnt mit Perspektiven. Heute profitieren wir im Landkreis davon, dass wir früh die richtigen Weichen gestellt haben. 2015 starteten die ersten Vorkurse für Integrationsklassen an den Berufsschulen. 2016 waren wir bereits Modellkommune für den Aufbau einer Asylsozialberatung. Und bis heute gehören wir zu den wenigen Landkreisen, in denen die Flüchtlings- und Integrationsberatung über die Kommune läuft. Hier sind Strukturen entstanden, von denen wir nachhaltig profitieren. Die größte Aufgabe der nächsten Jahre wird sein, zusammen mit den Gemeinden und den unzähligen ehrenamtlich Tätigen die Integration derjenigen erfolgreich zu gestalten, die ein Bleiberecht haben. Für mich ist der Schlüssel dazu Bildung und Arbeit.

inn-sider: Die Region Inn-Salzach (MÜ/AÖ) tritt oft getrennt auf. Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis Altötting stärken, um in München und Berlin mehr Gehör zu finden? 

Maximilian Heimerl: Die grundlegende Aufgabe eines Landkreises ist es zunächst, als eigenständige Einheit aufzutreten und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis zu vertreten. Gleichzeitig pflegen wir seit vielen Jahren eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn. Das gilt zum einen für die Region 18 mit den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting. Zum anderen ganz besonders für die Zusammenarbeit in der Inn-Salzach-Region mit dem Landkreis Altötting. Es gibt hier bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele: das Innklinikum, die Sparkasse Altötting-Mühldorf, dem Zweckverband Abfallwirtschaft (ZAS), die Bildungsmesse Inn-Salzach, die wir seit 2006 gemeinsam veranstalten, oder den gemeinsamen Wirtschaftsempfang. Wir haben die Gründungsregion Inn-Salzach geschaffen und die Kultur- und Kreativwirtschaft Inn-Salzach geformt. Es gibt als Beispiel auch den Regionalausschuss Altötting-Mühldorf der IHK und gemeinsam sind wir Teil des bayerischen Chemiedreiecks.

Auch strukturell haben wir die Zusammenarbeit weiterentwickelt. In dieser Periode haben wir ein gemeinsames Regionalmanagement Inn-Salzach auf den Weg gebracht. Künftig werden wir dieses als Regionalmanagement im Landkreis Mühldorf weiterführen, da sich der Landkreis Altötting entschieden hat, aus diesem Projekt auszusteigen. An uns liegt es also nicht, wir sind jederzeit bereit, Kooperationen weiter auszubauen.

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