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Christoph Schützenhofer: Mühldorf – ein Ort, an dem alle Generationen gerne leben

Die Kreisstadt Mühldorf steht – wie viele Gemeinden in Bayern – vor großen Herausforderungen. Auf der einen Seite wächst die Bevölkerung, auf der anderen Seite fehlt das Geld für dringend nötige Investitionen. Christoph Schützenhofer stellt im Interview seine Ideen für ein lebenswertes und zukunftsfähiges Mühldorf vor.

Christoph Schützenhofer ist 48 Jahre alt, Vater von 3 Kindern und in Mühldorf aufgewachsen. Zum Studium zog es ihn nach München, seit 2014 lebt er wieder in der Kreisstadt. Seitdem ist er als Studienrat an der Herzog-Ludwig-Realschule in Altötting tätig. Hier unterrichtet er die Fächer Informationstechnologie und Mathematik.

inn-sider: Was ist Ihre persönliche Vision für Mühldorf im Jahr 2032 – also am Ende Ihrer potenziellen ersten Amtszeit?

Christoph Schützenhofer: Mühldorf ist endlich ein Ort, an dem alle Generationen gerne leben – mit einer Innenstadt, die zum Verweilen einlädt und auch jungen Menschen eine sichere Zukunft bietet. Konkret gibt es dann eine Dreifachturnhalle mit Bundesligavolleyball und überregionalen Fußballturnieren vor den Toren der Altstadt. Das Parkdeck unterhalb des Krankenhauses ist fertiggestellt und ein Parkinformationssystem rund um den Stadtplatz wurde installiert. Der Skaterplatz und mindestens ein neuer Bolzplatz sind eröffnet. Die Planungen für den Innstadtpark konnten im Konsens mit dem Stadtrat abgeschlossen werden.

inn-sider: Mühldorf wächst und der Druck auf den Wohnungsmarkt ist hoch. Welche konkreten Instrumente wollen Sie nutzen, um ausreichend Wohnraum zu schaffen?

Christoph Schützenhofer: Es fehlen vor allem günstige Wohnungen für Studierende, Familien und Senioren. Zum einen soll die Stadtbau Gebäude mit bezahlbaren Wohnungen sowie ein Studentenwohnheim errichten. Neubaugebiete sollen auch wieder Reihenhausgrundstücke beinhalten, und die Stadtbau soll einen günstigen Mustergrundriss dafür zur Verfügung stellen.

inn-sider: Die wachsende Bevölkerung ist auch für die Kindergärten und Schulen eine Herausforderung. Welche Maßnahmen muss die Stadt ergreifen, um damit umzugehen?

Christoph Schützenhofer: Bevor Mühldorf weiter wächst, muss zuerst die Infrastruktur angepasst werden. Straßen, Fahrradwege, Kanalisation und Energieversorgung müssen entsprechend erweitert werden. Mühldorf ist die einzige größere Kreisstadt ohne Realschule; hierfür ist allerdings der Landkreis zuständig. Wir sollten als Stadt trotzdem versuchen, mit dem Kreistag mögliche Standorte und Unterstützungen abzusprechen.

inn-sider: Der historische Stadtplatz ist das Herz der Stadt. Wie sieht Ihr Konzept aus, um den Einzelhandel zu stärken und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen?

Christoph Schützenhofer: Durch die überregionalen Sportevents in der neuen Dreifachturnhalle lernen mehr Menschen die Innenstadt kennen. Wenn genügend Parkplätze und Parkdecks an den Rändern bereitstehen, soll die Altstadt verkehrsberuhigt, mit kostenlosen Kurzzeitparkplätzen ausgestattet und mit Grünflächen verschönert werden. Teile der Fachhochschule, studentisches Wohnen und die Erweiterung des ÖPNV durch eine Nachtlinie am Wochenende steigern die Attraktivität der Innenstadt zusätzlich.

inn-sider: Das geplante Parkdeck am Stadtwall wird kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie zu diesem Projekt und wie wollen Sie das Parkleitsystem digitalisieren?

Christoph Schützenhofer: Das Parkdeck am Stadtwall wurde meines Wissens vom Stadtrat abgesegnet und soll schnellstmöglich umgesetzt werden. Für das Parkleitsystem sollen vor den Kreuzungen am Münchner Tor, an der Einfahrt vom Krankenhausberg und nach der Innbrücke stadteinwärts große interaktive Verkehrsschilder mit einem Plan der Parkmöglichkeiten und einer Anzeige der noch freien Parkplätze aufgestellt werden.

inn-sider: Die Diskussion um den öffentlichen Nahverkehr hält an. Welchen Spielraum sehen Sie für einen verbesserten Stadtbus-Takt in die Außenbezirke, wie wird sich die MVV-Integration auswirken? Ihr Parteifreund Dr. Gafus gilt als Gegner des Rufbusses. Welches ÖPNV-Konzept braucht Mühldorf?

Christoph Schützenhofer: Momentan sind von den verabschiedeten Maximalkosten von 1.000.000 Euro für den ÖPNV pro Jahr ca. 200.000 Euro noch nicht ausgenutzt. Diese sollten schnellstmöglich für die Erweiterung des Rufbusses um eine Buslinie Nord genutzt werden. Herr Dr. Gafus ist meines Wissens kein genereller Gegner des Rufbusses. Er mahnt aber völlig zu Recht an, dass mit dem Rufbus – übrigens einem der teuersten ÖPNV-Konzepte pro Fahrt in Deutschland – der Norden einseitig benachteiligt ist, da dort kein (Kreis‑)Linienbus mehr verkehrt. Durch die Anbindung des Landkreises Mühldorf an den MVV wird sich der ÖPNV stetig verbessern. Die Stadt Mühldorf sollte möglichst schnell Wege finden, ebenfalls dem MVV beizutreten, um Synergieeffekte zu nutzen.

inn-sider: Viele junge Menschen zieht es nach der Schule weg. Wie wollen Sie Mühldorf als Kultur- und Freizeitstandort für die Generation U30 attraktiver machen?

Christoph Schützenhofer: In den Gesprächen mit den Jugendlichen sind mir vor allem zwei Hauptprobleme geschildert worden: zum einen ein fehlender ÖPNV, um nachts wieder nach Hause zu kommen, und zum anderen konsumfreie Orte zum Verweilen. Zusätzlich zu einem erweiterten Kulturangebot mit Events und Bands speziell für die jüngere Generation braucht es einen Nachtbus und mehr einladende Orte – ähnlich wie der Hofstatt in Wasserburg.

inn-sider: Hat der Amtsinhaber BM Hetzl die Entscheidung, bei den Stadtwerken ohne Einbindung des Stadtrats Geld anzulegen, allein getroffen? Oder ist er hierzu von der Stadtverwaltung nicht ausreichend beraten und unterstützt worden?

Christoph Schützenhofer: Wie diese Entscheidung gefällt wurde, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist jedoch, dass weder die Verwaltung noch der Bürgermeister Entscheidungen in diesem finanziellen Rahmen ohne Information und Abstimmung durch den Stadtrat durchführen dürfen.

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