Nachrichten aus Bayern

Kenianische Jugendliche sichern sich einen Weg in die berufliche Ausbildung und Beschäftigung in Bayern

DEHOGA Bayern initiiert gemeinsam mit GIZ und der Berufsschule Erding das Pilot Programm „Talent Gateway“: 18 kenianische Jugendliche starten als erster Jahrgang die Ausbildungspartnerschaft.

(Nairobi/ München) Nach einem mehrstufigen, wettbewerbsintensiven Auswahlverfahren in Nairobi wurden 18 kenianische Jugendliche für eine berufliche Ausbildung mit anschließenden Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland ausgewählt. Die Gruppe bildet den ersten Jahrgang des Pilotprogramms Talent

Gateway – einer kenianisch-deutschen Ausbildungspartnerschaft im Gastgewerbe. 

Der Auswahlprozess umfasste mehrere Stufen, darunter ein erstes ScreeningInterview, eine Sprachprüfung, die Bewertung praktischer Fähigkeiten sowie abschließende Interviews, die von fünf teilnehmenden Betrieben aus Bayern durchgeführt wurden, unter ihnen Gabi Dreisbach vom Hotel Zeller´s Quartier in Königsbrunn, Karin Köstlmeier-Willems vom Bräustüberl Weihenstephan in Freising, Sabine und Hans Oskar vom Kochhaus Oskar in Forstern sowie Andrea Roschitz vom Hotel Marriott Munich City.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem kenianischen Kultusministerium, dem State Department for Technical and Vocational Education and Training (TVET), dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern, dem Kiambu National Polytechnic (KINAP) sowie dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Erding (BSZ Erding) umgesetzt und durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale

Zusammenarbeit (GIZ) fachlich begleitet. Ein zentraler Baustein ist der kontinuierliche Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen KINAP und dem BSZ Erding. Dadurch wird sichergestellt, dass Fachausbilderausbilder sowie technische Betreuer auf beiden Seiten optimal vorbereitet sind und Ausbildungsinhalte, Methodik und Qualitätsstandards aufeinander abgestimmt werden.

Die Auszubildenden beginnen mit einer sechsmonatigen Vorbereitungsphase in Kenia. Diese umfasst Deutschunterricht, berufspraktische Qualifizierungen im Gastgewerbe sowie interkulturelle Orientierung. Die Vorbereitung findet am Kiambu National Polytechnic (KINAP) statt. Anschließend reisen die Teilnehmenden nach Deutschland, um eine zweijährige duale Berufsausbildung zu beginnen. Der fachtheoretische Unterricht erfolgt unter anderem am BSZ Erding und wird mit praxisnahen, vergüteten Ausbildungsphasen in fünf Partnerhotels kombiniert. Das duale Ausbildungssystem verbindet schulisches Lernen mit praktischer Berufserfahrung im Betrieb. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Auszubildenden einen anerkannten deutschen Berufsabschluss sowie verbesserte langfristige Beschäftigungsperspektiven im Gastgewerbe.

Im Namen der Staatssekretärin des kenianischen Kultusministeriums erklärte Dr. Joseph Kanyi, im Ministerium zuständiger Direktor für die Berufsbildung: „Die duale berufliche Bildung vermittelt jungen Menschen praxisnahe und arbeitsmarktrelevante Kompetenzen. Diese Partnerschaft zeigt die Stärke unserer Ausbildungseinrichtungen und -systeme. Sie eröffnet Wege zu internationaler Erfahrung und anerkannten Qualifikationen, stärkt institutionelle Verbindungen und erhöht das Vertrauen in kenianische TVET-Absolventinnen und -Absolventen. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit der GIZ und allen beteiligten deutschen Partnern sehr.“

Catherine Karanja, Geschäftsführerin des Bereichs Berufsausbildung und Fachkräftesicherung beim DEHOGA Bayern, betonte, dass die Partnerschaft gezielt auf den Fachkräftebedarf in Deutschland reagiere. „Diese Kooperation ist eine praxisnahe Antwort auf den Fachkräftebedarf im bayerischen Gastgewerbe. Deutsche Hotels benötigen gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Kenia bietet hierfür großes Potenzial und Talent. Durch dieses Programm erhalten die Teilnehmenden eine strukturierte Vorbereitung und praktische Erfahrungen, die den deutschen Standards entsprechen“, so Karanja.  

Für die ausgewählten Teilnehmenden stellt das Programm einen bedeutenden Meilenstein in ihrer beruflichen Laufbahn dar. Mercy Ogola, die in Deutschland ihre Ausbildung absolvieren und die Berufsschule besuchen wird, erklärte, dass diese Chance ihre Karriere nachhaltig prägen werde: „Ich bin dankbar für die Möglichkeit, in Deutschland zu lernen und zu arbeiten. Ich freue mich darauf, neue Fähigkeiten zu erwerben und eine andere Arbeitskultur kennenzulernen. Ich hoffe, Wissen zu gewinnen, das meine berufliche Zukunft im Gastgewerbe prägt, und andere junge Menschen zu inspirieren, an die berufliche Ausbildung zu glauben und ihre Ziele zu verfolgen.“

Das Programm steht im Einklang mit dem 2024 unterzeichneten bilateralen Arbeitsmigrationsabkommen zwischen Kenia und Deutschland. Es unterstützt eine sichere, strukturierte und qualifikationsbasierte Arbeitsmobilität und trägt gleichermaßen zur Förderung von Jugendbeschäftigung und Qualifikationsentwicklung in Kenia sowie zur Deckung des Fachkräftebedarfs im deutschen Gastgewerbe bei. Die Initiative zeigt, wie internationale Qualifizierungspartnerschaften gemeinsamen Mehrwert schaffen, jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen und die Zusammenarbeit zwischen Kenia und Deutschland durch Ausbildungs- und Beschäftigungswege stärken können.

Beitragsbild: Gelebte Ausbildungspartnerschaft zum Vorteil aller: Vertreter der Ausbildungsbetriebe Zeller’s Quartier in Königsbrunn, dem Freisinger Bräustüberl Weihenstephan, dem Kochhaus Oskar aus Forstern sowie dem
Hotel Marriott Munich City waren Teil der deutschen Delegation, die insgesamt 18 Auszubildenden eine neue Heimat im Gastgewerbe ermöglicht haben. Foto: GIZ Kenya.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert