Dr. Tobias Windhorst zum Industriestandort, zu Windrädern, zur Migration und Digitalisierung
Landkreis Altötting: Um das Amt des Altöttinger Landrats bewerben sich fünf Kandidaten, Dr. Tobias Windhorst (CSU) antwortet zu den Zukunftsfragen des Landkreises Altötting:
- inn-sider.de: Erwin Schneider hat den Landkreis über zwei Jahrzehnte geprägt. Welchen Kurs seines Vorgängers werden Sie fortsetzen und in welchen Bereichen planen Sie einen bewussten Neustart?
Jeder Landrat führt das Amt anders, daher gehen Vergleiche ins Leere. Es ist allein deswegen ein Neustart, weil nach 26 Jahren ein anderer Kopf an der Spitze stehen wird!
- inn-sider.de: Als wichtiger Industriestandort ist Altötting massiv von Deindustrialisierung betroffen. Wie wollen Sie die Auswirkungen des Strukturwandels abfedern?
Wir wollen Industrielandkreis bleiben! Insgesamt sind im Chemiedreieck 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die chemische Industrie ist systemrelevant, diese muss gehalten werden. Wir brauchen daher u.a. den Industriestrompreis, damit unsere Industrie wettbewerbsfähig bleibt.
- inn-sider.de: Der Konflikt zwischen industriellem Energiebedarf (Chemiedreieck) und dem Schutz des Forstes spaltet den Landkreis. Wie wollen Sie den Bau der Windräder moderieren, um sowohl die Energieversorgung zu sichern als auch den sozialen Frieden im Landkreis zu wahren?
Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren, das bleibt abzuwarten. Und dann ist in einem zweiten Schritt zu klären, ob Windräder bei uns überhaupt wirtschaftlich betrieben werden können. Das weiß im Moment noch keiner.
- inn-sider.de: Das Defizit der Kliniken belastet den Kreishaushalt massiv. Welche Schritte müssen gegangen werden, um eine hochwertige medizinische Versorgung in Altötting und Burghausen dauerhaft zu finanzieren?
Wir hatten 2023 ein Defizit von 34 Mio EUR und werden 2026 bei ca. 18 Mio EUR liegen. Das ist doch schonmal ein tolles Zwischenergebnis! Auch die Patientenzahlen steigen wieder, ebenso die Mitarbeiterzufriedenheit. Die Richtung stimmt also. Wir müssen auf diesem Weg weitergehen.
- inn-sider.de: Die finanzielle Lage des Landkreises ist mehr als angespannt. Wie wollen Sie Altötting finanziell zurück auf die rechte Bahn bringen? Wo muss gespart werden, wo gibt es eventuell neue Einkommensquellen?
Wir haben derzeit 75 Mio EUR Schulden, das ist nicht schön. Wir wollen ein Konsolidierungskonzept entwickeln. Das geht aber nur gemeinsam mit den Mitarbeitern. Aber solange der Bezirk jedes Jahr die Umlage für die Landkreise erhöht, wird es nicht wirklich besser werden.
- inn-sider.de: Die Kapazitäten bei der Unterbringung von Geflüchteten sind vielerorts erschöpft. Welches Konzept verfolgen Sie, um die Kommunen bei der Integration und dezentralen Unterbringung besser zu unterstützen?
Die Zugangszahlen sind massiv gesunken. Die Containerunterkunft in Altötting am Bahnhof konnte bereits abgebaut werden, es werden die Unterkünfte am Hallenbad und in Burghausen folgen. Die dezentrale Unterbringung funktioniert gut.
- inn-sider.de: Wo hakt es Ihrer Meinung nach noch im Bürgerservice? Wie sieht Ihr Plan aus, um das Landratsamt zu einer digitalen Behörde zu machen?
Es gibt ja bereits zahlreiche digitale Angebote, die auch gut genutzt werden. Wenn die Dienstleister hier weitere Angebote machen, sollten wir diese konsequent einsetzen. Je mehr digital läuft, desto besser!
- inn-sider.de: Welches Projekt im Landkreis würden Sie innerhalb der ersten 100 Tage im Amt sofort zur „Chef-Sache“ erklären?
Die Themen sind ja alle bekannt und laufen, müssen aber abgeschlossen werden: PFOA, Technosan, Schulsanierungen, Realschulstandort Burghausen, etc etc. Wir haben daher kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit. Am drängendsten ist sicherlich das Thema PFOA.
(Anm. d. Red.: Infos zum PFOA im Lkr. Altötting: https://www.lra-aoe.de/aktuelles/perfluorooctanoic-acid-pfoa/#/)
Beitragbild: www.tobias-windhorst.de