Heilerziehungspflege – Der Job, der Brücken baut
„Was könnte erfüllender sein, als Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu begleiten und echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen?“ Mit dieser Frage starteten die Schülerinnen und Schüler des ersten Ausbildungsjahres der neuen Fachschule für Heilerziehungspflege am Beruflichen Schulzentrum Mühldorf in ihre Ausbildung.
Die Heilerziehungspflege ist weit mehr als ein Beruf – sie ist eine verantwortungsvolle Aufgabe zwischen pädagogischer Begleitung, pflegerischer Unterstützung und sozialer Integration. Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger arbeiten mit Menschen mit Behinderungen, unterstützen sie im Alltag, fördern ihre individuellen Fähigkeiten und stärken ihre Selbstbestimmung. Dabei stehen Respekt, Empathie und das Ziel einer inklusiven Gesellschaft im Mittelpunkt.
Doch was bedeutet das konkret im Schulalltag und in der Praxis? Welche Erfahrungen machen die angehenden Fachkräfte während ihrer Ausbildung? Und was motiviert sie, diesen Weg einzuschlagen?
Im folgenden Interview geben Schülerinnen und Schüler der Heilerziehungspflege persönliche Einblicke in ihre Beweggründe, ihre bisherigen Erfahrungen und ihre Vorstellungen von einem Beruf, der Vielfalt nicht nur anerkennt, sondern aktiv gestaltet.
Was waren die Beweggründe für den Einstieg in den Beruf?
Emily (20 J.): In meiner vorherigen Ausbildung zur Assistentin für Ernährung und Versorgung habe ich einmal wöchentlich in einer Werkstätte mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass mir dieser Teil meiner Ausbildung am besten gefällt, weil mir so viel Dankbarkeit und Wertschätzung entgegengebracht wurde. Deshalb habe ich mich entschieden, im Anschluss eine Ausbildung in der Heilerziehungspflege zu machen.
Patrick du warst 25 Jahre lang in der Bezirksleitung einer Bank tätig. Das ist eine lange Zeit. Was waren deine Beweggründe, diesen sicheren Job hinter dir zu lassen und in die Heilerziehungspflege zu wechseln?
Patrick (46 J.): In der Bank war ich 15 Jahre lang sehr motiviert, weil für mich immer der Mensch im Fokus stand. Aber in den letzten zehn Jahren hat sich das Klima gewandelt. Der Fokus auf den Menschen ging verloren. Das Gehalt in der Bank war zwar attraktiv, aber mir fehlte der tiefere Sinn.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf in der HEP am besten?
Georg (34 J.): Der Beruf ist sehr abwechslungsreich und man kann sowohl in einem Kindergarten oder einer Kinderkrippe, in Werkstätten, Wohnheimen, Förderschulen, Förderstätten, psychiatrischen Kliniken usw. arbeiten. Man hat einen breiten Horizont und beruflich viele Möglichkeiten und Perspektiven. Ich habe vorher als Maurer gearbeitet – die Arbeit als HEP ist viel besser mit meiner Familie vereinbar und es gibt viel Spielraum in der Arbeitszeitgestaltung.
Kilian was gefällt Ihnen an diesem Beruf besonders?
Kilian (19 J.): Ich arbeite in der Heilerziehungspflege mit mehr Innigkeit als bei meinen Praktika im Krankenhaus, da man mehr Zeit für die Klientinnen und Klienten hat. Die pädagogische Arbeit steht hier im Vordergrund. Es macht mir Spaß, eine längerfristige professionelle Beziehung zu den Klienten aufzubauen. Ich bekomme viel Wertschätzung von den Klienten und meinen Vorgesetzten.
Was verdienen Sie in der Ausbildung?
Kilian (19 J.): Ich bekomme derzeit 1.800 € brutto. Ich arbeite drei Tage und gehe zwei Tage zur Schule. Außerdem habe ich 30 Tage Urlaub.
Mit welchem Gehalt rechnen Sie nach der Ausbildung?
Kilian (19 J.): Nach der Ausbildung verdient man je nach Schichtzulage usw. ca. 3.600 € brutto.
Was schätzen Sie an der Ausbildung am BSZ in Mühldorf?
Thomas (40 J.): Wir haben hier sehr ansprechende Fachräume (Pflegebad, Küchen, Werkraum, Musikraum) und fachkompetente Lehrkräfte, die auf unsere Wünsche und Ideen eingehen. Wir können das Schulleben aktiv mitgestalten, z. B. über die SMV (Schülermitverantwortung). Es gibt viele Aktionen an der Schule, beispielsweise ein Projekt, bei dem wir Pfandflaschen sammeln und das Geld für gute Zwecke spenden.
Was kann man nach der Ausbildung machen?
Emily (20 J.): Man hat nach abgeschlossener Berufsausbildung an der Fachschule für Heilerziehungspflege einen Bachelor Professional in Sozialwesen. Nach der Ausbildung ist man zur Gruppenleitung und Praxisanleitung berechtigt. Man kann zudem Heilpädagogik an der FH studieren. Wenn man zusätzlich das Fachabitur parallel zum Berufsabschluss erwirbt, stehen einem auch noch weitere Studiengänge offen.