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3. Update: Was ist mit dem Gasthaus Springer in Rohrbach?

Wenn man heute vor dem alten Gebäude in Rohrbach 6, Gemeinde Erharting steht, kann man sich gut vorstellen, dass hier einst ein lauschiger Biergarten war: Unter den Kastanienbäumen, direkt vor dem Gasthaus Springer – im Ort besser bekannt als Springerwirt.

Das Wirtshaus war lange Jahre ein Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Bis in die 2010er hinein diente es auch als Vereinsheim des Schützenvereins „Edelweiß Rohrbach“. In den Lokalzeitungen wird es 2013 und 2014 noch als Vereinslokal und Stammtisch erwähnt.

Seither aber: keine Spur mehr. Offizielle Hinweise auf die Schließung gibt es nicht, und auch im Netz findet sich nichts über eine aktuelle Bewirtschaftung. Vieles deutet darauf hin, dass der Springerwirt seit Jahren leer steht.

Wir fragen nach

  • Wann genau hat das Gasthaus Springer seine Türen geschlossen?
  • Gab es einen regelmäßigen Biergartenbetrieb oder besondere Feste, an die sich jemand erinnert?
  • Gibt es vielleicht noch Vereinsaktivitäten im Haus oder eine andere Nutzung?
  • Wer kann etwas über die Wirtsleute – zuletzt die Familie Springer – erzählen?

👉 Falls Sie Informationen, Erinnerungen oder Fotos zum Gasthaus Springer haben, melden Sie sich bitte bei uns! Jede Rückmeldung freut uns und Sie helfen mit, die Geschichte dieses Wirtshauses, dieses Treffpunkts zu bewahren.

Beitragsbilder: ehem. Gasthaus Springer in Rohrbach © inn-sider.de


Leonhard Biermaier schreibt dazu:

Das Anwesen vom Springer Wirt war nicht immer ein Gasthaus


Foto vom Gasthaus Springer Wirt im
Erhartinger Heimatbuch von Gert Steffen
Das Gasthaus wurde um das Jahr 1876 eröffnet, ab 1877 erscheinen fast regelmäßig Inserate zu Veranstaltungen wie Kirchweih und anderen Veranstaltungen. Der leider schon verstorbene Gert Steffen geht im Erhartinger Heimatbuch ebenfalls auf die Gaststätte ein, die auf dem Wallfahrerweg von Neumarkt kommend neben dem Wirt von Oberrohrbach u.a. auch für die Versorgung der Pilger vorgesehen war, dies geht aus dem Gesuch für die erforderliche Konzession hervor.

Ein Katasterauszug aus dem Jahr 1855 verzeichnet den „Wimmerbauern“ Michael Oberstraßer als Eigentümer des landwirtschaftlichen Anwesens.

Im Jahr 1873 verkaufte er den Besitz an seinen gegenüberliegenden Nachbarn, den „Lederhuberbauern“ Josef Ganghofer für 2250 Gulden. 

Nach nur etwa zwei Jahren erwarb ein weiterer Nachbar, ein Sohn des damaligen Großbauern Dörfl das Anwesen.

Anton Dörfl erbaute etwa im Jahr 1875 das Anwesen mit Wohn- und Gasthaus mit Stall und Stadel neu. Ab 1877 erscheinen die verschiedenen Inserate im Mühldorfer Anzeiger zu Kirchweihfeiern, dem Ausschank des „Alten Bieres“ und gelegentlich zu Hochzeitsfeiern oder Vereinsfeiern. 

Ob finanzielle Probleme der Anlass zum Verkauf der Liegenschaft zum Ende der 1890er Jahre waren ist nicht bekannt, jedoch anzunehmen, weil der Neuöttinger Müllerbräu die Immobilie am 19. September 1900 für den Betrag von 45.000 Mark erworben hatte. Dies war früher Gang und Gäbe, dass der Bräu als Bierlieferant säumige Wirte übernahm. 

Im Jahr 1905 verkaufte der Neuöttinger Müllerbräu das Gastwirtsanwesen für 41.000 Mark an Josef und Cäzilia Springer. Josef Springer entstammte dem Springer Wirt aus Töging. 

Wegen seiner Nähe zum Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft wurde der Springer Wirt in Unterrohrbach auch gerne als „Ratsstuben“ bezeichnet.

Als im Jahr 1999 Georg Springer der mit seiner Schwester Katharina ((Kathi) die Gastwirtschaft führte, überraschend verstarb, zeichnete sich langsam der Niedergang der traditionellen Gastwirtschaft ab. Seine Schwester Kathi, unterstützt von deren Töchtern, führte die Gastwirtschaft im „reduzierten Betrieb“ weiter. Aber als sie gesundheitlich schon etwas angeschlagen und vom Alter gezeichnet war, musste sie schweren Herzens den Wirtshausbetrieb einstellen. Wirklich schade drum, wieder ist eine bayerisch, traditionelle Landgastwirtschaft, die ehemals als sozialer Treffpunkt alt und jung verband, für immer verschwunden. 

Was bleibt sind wertvolle Erinnerungen an Zeiten in denen die Menschen ihr Leben nicht nach dem Fernsehprogramm oder wie man heute sagt, nach „coolen Events“ ausrichteten, sondern noch zum „Ratschen und Diskutieren“ ins Wirtshaus gingen und von dort die Neuigkeiten nach Hause brachten. 

Und auch persönliche Erinnerungen hat Leonhard Biermaier

„Gerne kann ich auch etwas zu dem Thema beitragen“, sagte Leonhard Biermaier Schützenmeister beim Schützenverein Edelweiß Rohrbach. „Die unverdorbene Originalität der Wirtsleute sorgte für eine urige Wohlfühlatmosphäre. Besonders in Erinnerung sind mir noch die Zeiten in denen beim Springer Wirt Theater gespielt wurde. Als Mitspieler bei der Erhartinger Dorfbühne habe ich viele lustige und humorvolle Zeiten in dem urigen Gasthaus erlebt.

Die unverdorbene Originalität der Wirtsleute sorgte für eine urige Wohlfühlatmosphäre. 

Auch der Gesellschaftstag, jeweils am Donnerstag, war immer ein kleiner Höhepunkt der Arbeitswoche. Die Faschingsfeiern und der alljährliche Kirta waren die Höhepunkte.

Die Schießabende des Schützenvereins mit den entsprechenden Feiern der Schützenkönige und vor allem das „Strohschießen“ gehörte zu den herausragenden Aktivitäten. Aufgrund der Altersstruktur befindet sich der Schützenverein, der in den letzten Jahren nur noch als ‚Stammtischrunde‘ geführt wurde, in der Auflösung.“

Mühldorfer Nachrichten vom 04.10.1949 (gefunden im Zeitungsarchiv Mühldorfer Anzeiger von Leonhard Biermaier):

Die weite Umgebung hat sonntäglich „zum Kirta geladen“ und immer hieß es daher das Weite suchen, bis uns nun endlich auch der Springerwirt in Unterrohrbach am Sonntag, den 25. September, zur Kirchweih lud. Das exotische Hawaitrio spielte so einschmeichelnd von den Nächten in Hawai, daß es dem tanzlustigen Völkchen ganz grausig zumute wurde, als es am Montag wieder im oberbayerischen Alltage die schlaftrunkenen Augen sich ausreiben musste.

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