Schröder abhängen?

Die CSU im Bundestag macht einmal mehr hervorragende Oppositionsarbeit, wie ein linker Steineschmeißer oder ein trunkener Stammtischbruder sie nicht besser machen könnte. Dieses Mal will man gleich die Geschichte der Bundesrepublik umschreiben, das Portrait des Altkanzlers Gerhard Schröder aus der „Ahnengalerie“ entfernen. 

Derlei Forderung kennt man nur zu gut von Linken, Grünen und anderen Weltverbessern: Monumente, Kulturgüter und Denkmäler sollen verschwinden, oder zumindest angepasst werden, um die Vergangenheit den Vorstellungen der Gegenwart anzupassen. Der Trend stammt – wie so viele dumme Ideen – aus den Vereinigten Staaten. Hier waren es vor allem Standbilder von Südstaatengenerälen, die dem Zorn der Gerechten Platz machen mussten. Schnell schwappte die Mode der Geschichtsklitterung auch nach Europa, nach Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Hierzulande waren es zunächst Männer wie Bismarck, die weichen sollten. Statuen wurden beschmiert und beschädigt, die Umbenennung von Straßen und Plätzen gefordert. Dass der durchschnittliche linksliberale Weltverbesserer nicht allzu weit in die deutsche Vergangenheit reisen muss, um Verwerfliches zu finden, ist klar. In Berlin wünscht man sich beispielsweise auch die Umbenennung des Konrad-Adenauer-Platzes.

Liberale und Christdemokraten sind stets bereit, jede noch so abwegige Marotte der Linken zu übernehmen – das ist hinlänglich bekannt. Jetzt ist man also auch bei der Denkmalentfernung angekommen. Die Forderung nach dem Abriss alter, in Deutschland stehender Sowjetdenkmäler ist mittlerweile fast schon ein alter Hut, und gerade für die Liberalen jedes Mal eine schöne Gelegenheit, den eigenen, freilich untrügbaren, moralischen Kompass unter Beweis zu stellen. Schön, dass auch die Christsozialen jetzt eine Zielscheibe gefunden habe: den in Ungnade gefallenen Altkanzler. Man kann es sich lebhaft vorstellen, Doro Bär und Alexander Dobrindt, wie sie gemeinsam – ganz im Sinne des großen Parteiführers – bei einer Cola Light sitzen, und den nächsten großen Coup für die „beste Opposition aller Zeiten“ aushecken. Etwas Gewaltiges muss her, ein Akt mit symbolischer Strahlkraft, über den noch viele Generationen sprechen werden. Und da war sie, die perfekte Idee: Schröder muss weg. Genauer gesagt sein Konterfei, das im Bundeskanzleramt in der sogenannten „Ahnengalerie“ hängt. Schließlich ist der Gerd ein Russlandfreund, ein Putinversteher und ganz und gar kremlhörig. Dass er auch sieben Jahre lang der demokratisch gewählte Anführer der Bundesrepublik war – drauf geschissen. 

Es ist völlig klar, dass man Kanzler nach ihrer Amtszeit auch kontrovers diskutieren darf, man kann sie aber eben nicht verschwinden lassen. Oder wird auch Adenauer entfernt, wenn die Grüne Jugend einen entsprechenden Wunsch äußert, darf die Linke den marktliberalen Erhard entfernen, die AfD die Anfertigung eines Merkel-Portraits verhindern? Zudem gäbe es bei CDU/CSU wahrlich genug Baustellen, die der Aufmerksamkeit engagierter Abgeordneter bedürften. Stattdessen verlegt man sich auf Symbolpolitik, hat in den letzten 16 Jahren ja so gut funktioniert. 

Übrigens: Wer das Schröder-Portrait nicht kennt, sollte unbedingt einen Blick darauf werfen. Das Bild ist von einer derart beeindruckenden Absurdität, man fragt sich unweigerlich, welche Substanzen der Altkanzler und Künstler Jörg Immendorff bei der Erstellung konsumiert haben. 

Foto: © Mehr News Agency, CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0, via Wikimedia Commons

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